Ein Jahr lang wird Maha Nanda unser Zuhause sein, nächstes Jahr, wenn wir im Mai Richtung Südwesten starten. Jetzt ist sie es für eine Urlaubswoche, wir sind gerade dabei, uns einzuleben – und das sollte schnell gehen, denn schnell ist der Urlaub auch wieder dabei. Und wenn man dann nach drei Jahrzehnten völlig neue Seiten des überrachendsten Captains von allen entdeckt…

Gestern Abend hat es im Salon noch so ausgesehen.

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Aber das Verstauen von Ausrüstung wie Kompass, Funkgerät, Ankerwinde, 30 Kilo Schrauben, drei Werkzeugkoffer mit vollständiger Mechanikerausrüstung und ein paar Kleinigkeiten wie Bikini und 14 Paar Sandalen dauerte nur eine Stunde, dann gings zum Abendessen. Es hat schon Tradition, dass wir am ersten Abend im Lemmer Vis essen, also Fisch. Da gibt es am Kanal so einen kleinen Fischhändler, der auch eine einfache Speisekarte hat. Da gibt es Kibbeling- das ist etwas typisch Niederländisches: frittierte Fischfiletwürfel und Lekkerbek – gebratener Kabeljau. Die Kellnerinnen sind meistens unfreundlich (gestern hatten wir sogar Glück und erwischten eine, die gelächelt hat), das Ambiente ist ein bissl schlicht, aber der Fisch ist frisch und schmeckt wunderbar!

Wasser, marsch!

Gewöhnen müssen wir uns auch wieder an die Kombüse, denn erstens hab ich da einen Spirituskocher mit zwei Flammen, der kennt nur zwei Einstellungen: anbrennen oder niemals heiß. Zweitens haben wir immer noch keinen Wassertank und damit einen funktionslosen weil wasserlosen Wasserhahn. Egal ob Kaffee, Nudelwasser oder Abwasch, einer muss jedesmal aus Maha Nanda rausklettern zum Wasserhahn am Steg latschen und Wasser holen.

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Aber ab sofort geht es mir richtig gut, denn mein Captain hat mir nach 33 Jahren eine völlig neue Seite von sich gezeigt: Er hat heute Koch-Ambitionen entwickelt! Tatsächlich hat er bisher in seinem ganzen Leben – also in den zwei Dritteln seines Lebens, die ich ihn kenne – folgendes gekocht: Kaffee (das übrigens mehrmals täglich), Fischstäbchen (einmal) und Sauerkraut (einmal). Detail zu seinem Sauerkraut-Rezept erspare ich euch jetzt, nur so viel: Er hat das Kraut nicht gekocht. Es gibt wohl keinen Mann auf Erden, der jemals weniger in der Küche gestanden ist als meiner und dieser Mann hat dafür auch ein absolut überzeugendes Argument: Kochen macht ihm keinen Spaß. Es soll übrigens auch andere Männer, Ehefrauen, Mütter geben, denen Kochen keinen Spaß macht, die es aber trotzdem tun – aus schierer Notwendigkeit, um des Überlebens der Familie Willen – aber das ist eine andere Geschichte. Abgesehen davon, ist dieser Teil unseres gemeinsamen Lebens ab sofort Geschichte, denn wie gesagt: die neue Seite von Captain Christoph. Er hat beschlossen, zum kochenden Captain zu werden und hat heute seine Karriere mit Omelette gestartet. Bitte jetzt nicht lachen! Für Menschen, die noch nie am Herd gestanden sind, sind Omelettes schon etwas Besonderes! Und mein Neo-Koch hat auch nur ganz kurz nach Rezept-Details wie: wie viele Eier braucht man dafür, in welcher Schüssel rüht man die Eier … gefragt. Jedenfalls duftete es, als ich von der Dusche mit frisch onduliertem Haar zurückkam, nach – verbrannter Butter. Jetzt muss man fairerweise dazusagen, dass es wirklich schwierig ist, auf einem Spirituskocher, der nur verbrannt oder nicht heiß kennt, seine allerersten Kochversuche zu starten, wenn man mit den Grundsätzen der Speisenzubereitung nicht vertraut ist. Und selbstverständlich haben Christophs allererste Omelettes seines Lebens vorzüglich geschmeckt.

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Leider hat der Captain angesichts des küchentechnischen Aufwandes, den er nun am eigenen Leibe verspürt hatte, während unseres fulminanten Mahles meinen rosigen Zukunftsaussichten, in denen ich mich im Cockpit lümmelnd, entpannt ein Buch lesend gesehen hatte, während mein Captain und leidenschaftlichster Koch von allen in der Kombüse ein dreigängiges Menu aus frischem Fisch, selbst gebackenem Brot und in der Bilge in Sand gelagertem Gemüse zaubert, ein jähes Ende gesetzt, als er meinte: „Auf hoher See werden wir unsere Koch-Ambitionen deutlich zurückschrauben, mein Schatz, da werden wir nicht so viel Aufwand ums Essen machen.“ Gut, wir haben noch ein paar Monate, in denen ich mir eine weibliche List überlegen kann, mit der ich das zarte Pflänzchen der Kaptitäns-Koch-Ambitionen zum üppigen Gedeihen bringen werde. Kommt Zeit, kommt Herdeslust. Ich werde einen Plan entwickeln.

Bis dahin verrate ich euch jetzt eines meiner Lieblingsrezepte auf hoher See. Denn – Überraschung! – ich koche auch nicht besonders gerne, aber ich esse besonders gerne, daher muss es schnell gehen und gut schmecken. Die indische Küche kommt meinen Bedürfnissen sehr entgegen, denn da gibt es viele schnelle Gerichte und unsere ganze Family liebt indisches Essen.

Das Lieblingsgericht von mir und unserem  jüngeren Sohn Matthias ist Dal:

Rote Linsen waschen, in Salzwasser mit Curcumba und geriebenem Ingwer fünf Minuten kochen, inzwischen in einer kleinen Pfanne in Butterschmalz Kreuzkümmel, Koriander, Chili und ganz wenig Asafötida braten, sobald das Wasser verkocht ist, über die Linsen gießen, verrühren mit gehacktem Koriander oder mit Petersilie bestreuen. Fertig!

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8 Kommentare

  1. Bei Lemmer erinnere ich mich daran, dass wir im Jachthafen vor der Stadt gelegen haben, aber mit dem Boot in die Stadt gefahren sind, zum Einkaufen. Und natuerlich muss man dort Fisch essen. Gerne habe ich auch Matjes dort gehabt.
    Apropos kochen auf See: auf zwei meiner grossen Toerns hatten wir zum Glueck einen leidenschaftlichen Koch an Bord, der es sich nicht nehmen liess, auch bei Seegang zu kochen. Auf einem anderen hat es allerdings so geschaukelt, dass wir ein paar Tage lang nur Butterbrote gegessen haben. Und auch die haben wir gleich auf dem Kajuetfussboden geschmiert, weil eh Alle vom Tisch runterfiel – trotz Scheuerleisten.

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      1. Leider segele ich gar nicht mehr. Hier an der texanisches Golfkueste gibt es kaum Vercharterer, und wenn, dann sollte bzw. muesste ich wohl die amerikanischen Scheine haben. Kurse dafuer habe ich mal angedacht, aber ob ich das mit ueber 71 Jahren noch machen soll? Ich weiss es nicht.
        Es ist schon viele Jahre her, dass ich einmal einen Vercharterer gefunden habe, in Corpus Christi, der mir ohne Scheine ein Boot gegeben hat. Sie haben mich noch nicht einmal auf dem Wasser gecheckt. Es war wohl genug, dass ich bei der Einweisung ins Boot einen guten Eindruck hinterlassen habe. Das war dann ein schoener Nachmittag auf Corpus Christi Bay. Aber auch nicht ganz ohne: ein 34-Fuss Boot alleine zu handhaben, denn meine Frau hat vom Segeln keine Ahnung und konnte nur ein paar Mal das Ruder halten, wenn ich nach vorne musste, um bei/nach einer Wende die Fockschoten zu klarieren, das war nicht einfach. Und im Nachhinein gesehen auch ziemlich leichtsinnig – ohne Lifebelt: waere ich ueber Bord gegangen, so haette sie mich nie wieder auffischen koennen.

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      2. Wuerden wir naeher an der Kueste wohnen, dann haette ich mittlerweile vieleicht die Scheine. und auch meine Frau angelernt. An den Binnenseen hier gibt es uebrigens gar keine Moeglichkeit zu chartern. Nur zu gerne wuerde ich auch mal wieder eine Jolle segeln.

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