Die beste Variante, den 50.Geburtstag zu feiern

Happy Birthday, dear Captain. Der Mann – mein Mann – steht grundsätzlich nicht gern im Mittelpunkt, aber an seinem Geburtstag muss er da durch. Jahr für Jahr. Tatsächlich kommen wir in ein Alter, in dem wir rührselig werden. Ein Zeichen von Altsein. Wir freuen uns über unsere Familie, allen voran die besten aller Söhne, darüber dass Familientreffen so harmonisch sind, und wir erinnern uns an so viele vergangenen Geburtstagsfeiern. Alt werden wir!

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Zum 51. Geburtstag bekommt man(n) einen Akkuschrauber für den Bord-Werkzeugkasten

Vor allem denken wir an voriges Jahr, an Christophs 50. Geburtstag. Ein besonderer Tag, der ein besonderes Fest erfordert. Daher hab ich keine Kosten und Mühen gescheut, um dem Captain etwas Ausgefallenes zu bieten… Naja, ganz so war es nicht, aber ganz zufällig passierte es auch wieder nicht, dass wir des Captains 50er in Indien feierten. Und das kam so:

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Helan organisierte die Torte zu Christophs 50er

Vor etlichen Jahren traf Christoph zufällig auf seinem Arbeitsplatz, im Wiener Hartmannspital, einen Bekannten aus seinem Heimatdorf. Den hatte er jahrelang nicht mehr gesehen, und Christoph erfuhr, dass dieser Mann, sein ehemaliger Nachbar Friedl, wegen einer Spendensammelaktion im Spital war. Friedl ist nämlich Initiator und Leiter des Hilfsprojekts „Hand in Hand“, ein Projekt, das sich der Unterstützung von indischen Kindern verschrieben hat. Mit Hilfe von Patenschaften und mit unglaublich viel Engagement von Friedl und dem tamilischen Pater Don Bosco, seinem Projektpartner in Tamil Nadu, wurde Schulunterricht für 1000 Kinder ermöglicht, wurden zwei Schulen und ein Spital in dem kleinen Dorf Pagandai Kootu Road in Tamil Nadu errichtet. Für dieses Hilfsprojekt lief und läuft Friedl bis heute und trommelt jegliche Unterstützung, die nur irgendwie möglich ist, zusammen. So hatte er auch in einer der geistlichen Schwestern des Hartmannspitals eine Unterstützerin gefunden, etliche ausgemusterte Materialien, Einrichtungsgegenstände und Geräte des Spitals wurden zusammengetragen, in ein Lager in Friedl Wohnort nördlich von Wien gebracht, in Containern verstaut und mit dem Schiff nach Indien gebracht.

 

Das zufällige Treffen von Christoph und Friedl ereignete sich vor ungefähr zehn Jahren, seitdem standen die beiden in losem Kontakt und Christoph hatte unter anderem höchstpersönlich etliche Teile, unter andere ein Röntgengerät für den OP-Bereich, in Friedls Lager transportiert. In einem von Friedl jährlichen Publikationen für Projektunterstützer und Pateneltern schrieb dieser: “ Vielen Dank an Christoph Potmesil für den Transport. Er wird demnächst persönlich nach Pagandai reisen, um den C-Bogen in Betrieb zu nehmen.“ Mit Erstaunen las Christoph damals diese Zeilen, die sich Jahre später als prophetisch erweisen sollten. Denn 2017 trafen sich die zwei Männer erneut und als Friedl fragte: „Wann fahrt ihr denn nach Indien?, beschlossen wir: So bald als möglich.

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Anprobe im Shopping-Center

Dazu muss man wissen, dass wir – respektive Christoph – nicht nur spitalsaffin sondern vor allem Indien-affin sind, bin ich doch Kulturanthropologin und Indologin. Es schien eine glückliche Fügung zu sein, dass wir nach unserer Indienreise im Zuge meiner Forschungsarbeit 1994 (damals dachten wir, dass wir sehr bald wieder nach Indien zurückkommen würden) genau 25 Jahre später wieder indischen Boden betreten würden. Als wir beschlossen hatten, zu Beginn des Jahres 2018 nach Tamil Nadu zu reisen, war für mich klar: Der genaue Abreisetag ist nicht wichtig. Wichtig ist nur: Am 15. Februar müssen wir in Indien sein, denn 1994 feierte Christoph ein Vierteljahrhundert in Jaipur (Rajasthan) und 2018 soll er ein halbes Jahrhundert in Tamil Nadu feiern.

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Don Bosco gratuliert

Den 15. Februar 2018 können wir beide, Christoph und ich, jederzeit im Detail in Erinnerung rufen. Noch im Dunkeln weckte uns erst der Muezzin, ein paar Stunden später die Vormittagshitze. Von unseren Freunden, Don Bosco und seiner Familie, wurde uns Christophs tamilisches Lieblings frühstück serviert: Chai, Idli und Sambar. Der Tag verlief mit unserer Arbeit am Sozialprojekt – Patenkinder dokumentieren, Organisatorischem im Spitalsbereich -, am Nachmittag tauchte unsere Freundin Helan auf und sagte zu uns: „Come on, we are going.“ Und nötigte uns ohne viele Worte mit einem geheimnisvollen Grinsen dazu, ins Auto einzusteigen. Christoph, der Mann, der wie gesagt nicht gern im Mittelpunkt steht, befürchtete Schlimmstes. Schließlich fuhren wir eine Stunde durch den abendlichen traffic jam in eine 20 Kilometer entfernt gelegene Stadt, wo es ans Shoppen ging. Helan wählte – mit meiner beratenden Unterstützung – etliche Hemden für Christoph aus, eines schrecklicher anzusehen als das andere, und der Arme musste sie alle im Umkleideraum durchprobieren, sehr zur Begeisterung der Verkäuferinnen, die von seiner Optik: groß, blond, weiße Haut absolut hingerissen waren. Nach dem zehnten Hemd und ungefähr 30 Selfies mit allen Verkäuferinnen, Verkäufern und Kunden ging’s wieder heimwärts, wo die anderen Hausbewohner inzwischen das Wohn-Schlaf-Esszimmer dekoriert hatten. Mit Happy Birthday, Torte, Wunderkerze und Konfettikanone wurde das Geburtstagskind gefeiert, dann gab’s etliche Packerl, unter anderem ein perfekt auf Christophs Augenfarbe abgestimmtes neues Hemd, und ein wunderbar-scharfes Biriyani zu dem die ganze Familie, die Freunde und die Nachbarskinder mit eingeladen wurden.

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mit Torte füttern bringt dem Geburtstagskind Glück

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