Das Meer, die Strände, die Landschaften, die Menschen, das Essen und die herrlich lauen Sommerabende: Italien muss man lieben. Wer tut das nicht? Gut, ich kenne ein paar wenige Leute, die nicht so ganz überzeugt sind, aber die haben ganz einfach noch zu wenig von Italien gesehen. Als gelernte Österreicher haben wir dort viele, viele Sommerurlaube verbracht – und dabei den einzigen Nachteil dieses wunderbaren Landes erkannt: Tausende andere Menschen finden es ebenso wunderbar.

Jetzt könnten wir – unsere Kids sind ja keine Kinder mehr sondern richtige Männer – in der Nebensaison an die schönsten Orte Italiens fahren. Tun wir auch, aber das tun andere Alte auch. Und wenn das Wetter richtig ungemütlich ist, also im November, mögen wir auch nicht mehr an den Strand gehen, wir sind halt Sommermenschen und lieben die Mittelmeer-Sommersonne.

Also fahren wir dann, wenn alle fahren, dorthin wo alle hinfahren. Aber manches gefällt uns besonders gut und das ist unsere persönliche Bestenliste:

  1. Levanto in Ligurien

…weil die Leute dort ein bisschen entspannter sind als am Rest der Nordwestküste und weil Cinque Terre nicht weit ist. Wir sind dort mit den Kindern gestrandet, als unser Wohnmobil zum vierten Mal binnen vier Tagen streikte. Wer wissen will warum, sollte unbedingt meinen Blogbeitrag: „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Wohnmobil“ lesen, da erfahrt ihr das ganze Ausmaß der Wohnmobil-Urlaubstragikomödie von Familie Potmesil. Nur weil Levanto ein besonderer Platz ist und wir von den Gassen und versteckten Plätzen nicht genug kriegen konnten, haben wir nicht umgehend mit dem schrottreifen Fahrzeug die Heimreise angetreten.

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2. Caorle an der Adria

…wegen des wilden Strandes östlich der Ortschaft und weil wir hier die beste schwarze Pasta unseres Lebens gegessen haben. Jetzt ist Caorle sicher kein Geheimtipp, kein Österreicher, der das hübsche Städtchen im venezianischen Baustil nicht kennt, aber den Strand – ha! Den kennen wenige. Den Tipp hab ich von einem Italienkenner, einem der mit Einheimischen vorort war. Das Schöne an dem Strand ist: Er liegt hinter einem Pinienwald, es gibt hier keine Lokale und Imbissstände aber auch keine akurat in Reih und Glied aufgestellte Liegen und Schirme. Du kriegst, was du mitnimmst – und dazu gratis viel Sand und noch mehr Meer. Fertig. Perfekt für uns.

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3. Grado

…wegen des Fischerhafens und weil es so nah ist. Wenn du von Rabensburg diretissima Richtung Süden fährst, landest du irgendwann in Grado. Du brauchst nicht abbiegen, und plötzlich bist du am Meer. In Grado haben wir schon mehrmals mit Charterjachten im Stadthafen angelegt und es ist jedesmal eine Freude, wenn du durch den Kanal fährst und dann in diesem kleinen, sympatischen Hafen mit so viel Flair ein Plätzchen findest. Grado haben wir übrigens schon bei allen verschiedenen Wettern erlebt. Bei Sonne und Hitze ebenso wie bei Kälte, Sturm und den berüchtigten kurzen Wellen in der Lagune. Speib-Wetter, wie ein mitfühlender deutscher Boots-Nachbar meinte, als er das grüne Gesicht eines unserer Crewmitglieder sah. Aber Grado bei Nebel und Regen hat auch was Besonderes. Etwas Morbides vermischt mit dem Gefühl der Ernsthaftigkeit. So als würden die Fischer und alle jene, die nicht vom Tourismus leben, auf den Moment warten, an dem alle Fremden wegen akutem Frostbeulen-Anfall die Stadt verlassen und sie wieder denen gehört, die hier leben und arbeiten.

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4. Ancona

…weil wir dort unglaublich nette Menschen kennengelernt haben. Mir hat einmal ein Segler gesagt, die schönsten Häfen und Ankerplätze in deiner Erinnerung sind jene, wo du die sympathischten Menschen kennengelernt hat. Und sofern du nicht ein ausgemachter Misanthrop bist, hat er recht. Also in Ancona, wo mein Captain und Künstler vor einem Jahr eine Ausstellung hatte, haben wir die Kuratorin Maria Sperti und ihren Mann kennengelernt und hatten nach wenigen Minuten das Gefühl, einander ewig zu kennen. Wie ist das möglich, wo doch die beiden so gut wie kein Englisch sprechen und wir nur ungefähr zehn italienische Wörter beherrschen (die allesamt mit Essen-Bestellen zusammenhängen und bei einer Kunst-Ausstellung wenig zur Konversation taugen)? Weil es egal ist, wenn Leute zusammenkommen, die einander mögen. Man unterhält sich blendend. So einfach ist das.

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5. Capri

… weil ich es abseits vom Massentourismus und auch abseits vom überkandidelten, überteuerten Highsociety-Luxus kennengelernt habe. Eigentlich haben meine Eltern für unsere Familie in den 60er-Jahren Capri entdeckt. Und wieder war es so, wie ich eben erwähnt habe. Die Menschen, denen man begegnet, machen aus schönen Orten einzigartige Orte. Der Caprese hieß Constanzo, führte am besten Platz Capris, an dem man ein Café betreiben kann – in der Marina Grande – ein ebensolches und wurde zu einem guten Freund unserer Familie. Wir besuchten ihn auf Capri, er kam mit seiner Familie zum Wien-Besuch im kältesten Jänner der 80er-Jahre zu uns, und wenn wir uns trafen, war das so, wie man sich ein italienisches Famlientreffen vorstellt. Laut, fröhlich und mit fantastischen Essens-Gelagen. Auf Capri transportierte er uns in seinem winzigkleinen Auto, keine Ahnung welche Marke, er nannte es liebevoll seine „Schachtel“, und sang lauthals, wenn er die Serpentinen von Anacapri hintunterkurvte, „Funiculi, Funicolà“. Wir wohnten in seinem Haus und erkundeten gemeinsam die schönsten Plätze der Insel, wenn die Touristenströme mit der letzten Fähre Richtung Neapel abtransportiert worden waren. Vielleicht werde wir mal mit Maha Nanda hinsegeln? Irgendwann.

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