Einer meiner Vorfahren muss Nomade gewesen sein. Ich liebe es, zu reisen, anzukommen und nach einiger Zeit wieder zum nächsten unbekannten Ort weiterzufahren. Oder vielleicht ist es das Entdecker-Gen? Mein Südamerika-affiner Papa hätte sicher nichts dagegen, mit dem großen Forscher Alexander von Humboldt verwandt zu sein 😉

Wir sind im Vergleich zu Humboldt zwar nur Schmalspur-Wissenschafter, aber nicht umsonst habe ich (lang, lang ist’s her) das Thema meiner wissenschaftlichen Arbeit so gewählt, dass sich meine Forschung nicht nur auf einen Ort beschränkt hat. „Der Einfluss des Tourismus auf indische Frauen. Eine Vergleichsstudie,“ war der Titel meiner Diplomarbeit und somit war ich verpflichtet, durch Indien zu reisen, um zu vergleichen…

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Monument Valley

Später, mit unseren Kindern, war das Reisen auf Urlaube beschränkt, umso mehr Ziele versuchten wir in die wenigen Wochen hineinzupacken und probierten diverse mobile Urlaubsvarianten aus. Von Zelt über Wohnmobil bis Schiff – letzteres erwies sich für uns als das Nonplusultra des Reisens. Und in Kalifornien ist die nomadische Urlaubsvariante sowieso Standard. Wir taten es allen Europäern gleich, die das Traumziel amerikanische Westküste erleben dürfen: mit dem Mietauto von Ort zu Ort. Nirgendwo ist das so unkomliziert wie in Nordamerika. Egal wo du hinkommst, ein Motel gibt es überall, Platz für vier Personen auch, und wenn du, so wie wir, kein Problem hast, zusammenzurücken ist es auch noch supergünstig. Denn ein Zimmer mit zwei Kingsize-Betten (also schmale Doppelbetten) hat einen Fixpreis, egal wie viele Leute da drin schlafen. Im Laufe der drei Wochen, verlief die Motel-Suche, nur einmal etwas unerquicklich, nämlich in Utah, in Mexican Hat. Wir waren den ganzen Tag unterwegs gewesen, kamen vom Monument Valley und waren auf dem Weg Richtung Colorado. Das Dorf schien perfekt (hat übrigens laut Wikipedia 31 Einwohner): mitten in der atemberaubenden Sandstein-Landschaft, mehrere Motels am Straßenrand, ruhig Lage. Wir suchten ein Motel mit Pool, ich weiß das klingt nach Luxus, aber Wüsten-Reisen mit zwei Teenagern haben es wirklich in sich…

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Mexican Hat

Im ersten Motel war kein Zimmer frei, im zweiten auch nicht. Ich wurde schön langsam unrund. Dazu muss man sagen: Ich hatte, was selten vorkommt, Kopfschmerzen und dazu, was jeder, der mich kennt, unter allen Umständen zu verhindern versucht: Riesenhunger. Wenn ich Hunger habe, bin ich ungenießbar, und falls jemand weiterhin Zeit in meiner unmittelbaren Nähe verbringen will, ist er gut beraten, mir blitzschnell Futter zu besorgen. Also in diesem meinem Zustand fuhren wir das dritte Motel an. Ich stieg schon gar nicht mehr aus, ließ den geduldigsten Ehemann von allen auf Herbergsuche gehen. Er kam mit Daumen hoch aus der Lobby: „Hier gibt’s einen Pool.“ Wir krabbelten mit Sack und Pack aus dem Auto raus – ich konnte nur mehr an kühles Wasser und heißes Essen denken. Als sich die gesamte Familie vor der Rezeption aufgebaut hatte und Christoph verkündete: „One room with two kingsize-beds, please“, schüttelte der Rezeptionist den Kopf. „Of course, we have a pool, but no free room. Sorry.“

Christoph ist nach wie vor überzeugt, der arme Rezeptionist wird heute noch von meinem Blick, dem furchterregendsten den ich zu bieten hatte, in seinen Albträumen verfolgt. Wen wundert’s? Mich packt heute noch die Wut, wenn ich an dieses Motel denke. Wir haben in Mexican Hat schließlich noch ein Zimmer gefunden. In einem Motel ohne Pool…

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Stolz bin ich allerdings auf meine Reiseleitung in San Francisco. Dort war ich schon einmal mit meinem Papa, ist allerdings längere Zeit her. 1987, um genau zu sein. Da heißt es doch immer, Frauen haben keinen Orientierungssinn. Ich beweise euch das Gegenteil! Als wir die Reise mit den Kids planten, meinte mein Papa. Schaut doch zu dem Motel, wo wir gewohnt haben, das gibt es sicher noch. Und kramte eine 24 Jahre alte Visitenkarte desselben hervor und – damit nicht genug – eine Straßenkarte von San Francisco aus dem Jahr 1987. Auf der zeigte er mir den Weg zum Motel: über den Highway und dann Richtung Market Street, dann links…

Wir erreichten San Francisco spätabends, es war schon dunkel, zudem kamen wir nicht vom Osten, wie damals 1987, sondern von Süden, wir hatten zwei Tage in Carmel-by-the-Sea verbracht. Man soll sich ja nicht selbst loben, ich weiß, aber ich bin eben die perfekte Beifahrerin. Wir fuhren über den Highway, dann Richtung Market Street, links, rechts, rechts, geradeaus und dann links. Da waren wir. Sogar die Kinder waren kurz sprachlos. Gut, in dem Motel war kein Zimmer mehr frei, aber egal. Erstens haben wir ein viel günstigeres gefunden und zweitens…. Es geht ums’s Prinzip.

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Carmel-by-the-Sea

 

Da fällt mir doch noch eine zweite Motel-Odyssee ein. Im Yosemite Nationalpark in der Sierra Nevada. Es war Wochenende (wie übrigens in Mexican Hat auch) und halb Kalifornien und Nevada war im Ausflugsmodus. Wir wollten eigentlich im Park übernachten und am nächsten Tag eine Wanderung machen, aber es gab kein freies Plätzchen. Nirgends. Na gut, wir würden außerhalb des Parks nächtigen und dann die paar Meilen zurückfahren. Die paar Meilen wurden zu etlichen, die Nacht kam und Christoph grummelte vor sich hin, sein Grummeln wurde mit jeder Meile lauter und wuchs sich zu Verwünschungen aus, schließlich strandeten wir in einer ziemlichen Absteige irgendwo am Rande des Highways, weit entfernt von Parks oder sonstigen auch nur ansatzweise sehenswerten Sehenswürdigkeiten. Das chinesische Ehepaar, das dieses Motel führte, verstand übrigens kaum unser Englisch und vice versa. Zwar mussten wir nun unsere Reisepläne ändern, aber… wie wären wir sonst jemals nach Carmel gekommen.

Unsere best places to stay:

Lake Powell Resort: mit Abstand das luxuriöseste Hotel der Reise. Aber der Blick auf den See ist fantastisch und ich habe noch nie so toll und mit solch zuvorkommendem Service gefrühstückt. Frühstück ist mir sehr wichtig, hab ich das schon erwähnt?

Cameron Trading Post: Liegt nur eine Stunde vom Grand Canyon entfernt, ist günstig und bietet alles, was man sich in Europa unter einer Trading Post vorstellt. Auch ziemlich viel Kitsch, aber hey, Touristen kriegen, was Touristen wollen 😉 Für ethnologische Forschung ist im Familienurlaub einfach zu wenig Zeit.

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Lake Powell
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5 Kommentare

  1. Wir reisen hier weniger „freizuegig“: entweder buchen wir schon alle Unterkuenfte von zuhause aus vor, oder aber jeweils am Abend von einem Motel aus da naechste. Das schraenkt natuerlich die Spontaneitaet ein.

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      1. Was wir auch schon mal ueberlegt haben, ist ein Wohnmobil oder einen Camping-Anhaenger zu mieten. Damit waeren wir natuerlich echt flexibel. Ist aber wesentlich teurer als Motels.

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      2. stimmt, das war uns dann auch zu teuer. Aber wir haben in Italien mal ein günstiges Wohnmobil gemietet und das wurde dann ein wirklicher Abenteuer-Trip. Resümee: Wer billig kauft, kauft teuer. hab dazu auch schon einen Blogbeitrag verfasst: „die unglaubliche Reise in einem verrückten Wohnmobil“ unter Potpourri 😉

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      3. Den Beitrag schaue ich mir gerne mal an.
        Wir haetten uebrigens moeglicherweise statt des Hauses hier [wir haben es vor knapp 5 Jahren gekauft] ein WoMo gekauft, wenn wir nicht zu dem Zeitpunkt 5 Katzen und 2 Hunde gehabt haetten. Dann haetten wir vielleicht unser altes Haus [wir haben es immer noch] nur renovieren lassen und als „Basisstation“ behalten und uns statt des Hauses hier eben ein Wohnmobil zugelegt, zum herumziehen. Sogar mit zwei Hunden waere das vielleicht noch gegangen, aber auf keinen Fall mit den Katzen.

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