Um es gleich vorweg zu sagen: Wir sind noch keine Kabellänge weit gesegelt. Ja, wir liegen immer noch am Steg E 221 im Jachthaven Friese Hoek und das ist auch gut so. Erstens fehlen noch ein paar Kleinigkeiten  (das ist ein schlechter Grund, denn allen Langfahrtseglern fehlen immer ein paar Kleinigkeiten und die To-Do-Listen werden mit der Zeit länger statt kürzer) und außerdem war uns der Wind ein bisschen zu ungemütlich für den Erst-Test der Segeleigenschaften unserer Maha Nanda.

Windstärke 7 hat’s gestern schon im Hafen gehabt und am Ijsselmeer bläst der Westwind definitiv noch ein Stückerl mehr. Für Friesen kein Problem aber heute soll’s ein bissl ruhiger werden und mein Captain hat schon angekündigt, Maha Nanda bis heute segelfertig zu haben. Ich schau mal beim Fenster raus und lausche. Gestern hat der Wind den ganzen Tag durchgehend im Rigg gepfiffen und sich bisweilen zum Heulen gesteigert, heute höre ich fast nichts, die Dirk unseres Nachbarn schlägt auch nicht mehr im Stakkato gegen den Mast. Beinahe Stille – klingt angenehm in unseren Ohren.

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Wenn bei der Kompassmontage der Autoschlüssel in den Motorraum fällt…

Wir wären dann soweit und wir waren die vergangenen Tage echt fleißig. Wieder mal stelle ich fest, dass manche Dinge länger dauern, als : „Ich schraub das nur schnell mal an.“ Aber ein paar Essentials sind schon geschehen, wie zum Beispiel: Maha Nanda ist jetzt meilenweit erkennbar. Der neue Name prangt auf Heck und Bordwänden – eine Kleinigkeit nur, aber eine für uns wichtige! Noch viel wichtiger für unsere Segelperformance: Der Kompass ist montiert. Auf unserer alten Stahl-Lady ist das Ding noch ein bisschen unberechenbar, denn Christoph hat es zwar kompensiert (also eingenordet) aber damit ist es nicht getan, denn zu leicht lässt sich dieses Teil irritieren und nordet sich dorthin ein, wo es glaubt, sich einnorden zu müssen. Zum Beispiel Richtung Stahltraverse in der Werft oder ähnliches. Aber ihr müsst euch keine Sorgen machen, der Captain will sich nicht nur auf den magnetischen Kompass und seinen Sextanten verlassen, wir sind darüber hinaus technisch gut ausgerüstet. Mit notwendigen Teilen und ein bisschen darüber hinaus, wenn auch oben hin keine Grenzen gesetzt sind – theoretisch. Praktisch setzt uns unser Budget ganz deutliche Grenzen und zudem sind wir keine Technik-Freaks – also ich gar nicht und Christoph nur marginal. Wir haben, wie fast alle Segler eine Fluxgate-Kompass, also einen elektronischen Magnetkompass, wir haben elektronische Seekarten von Navionics, einen Seiva-Autopiloten SWAP03, ein Funkgerät mit AIS-Emfpänger. Viel mehr wird auch nicht dazukommen, nur noch ein Plotter und ein Radio – mein Captain sagt: „Wir segeln mit rudimentärer Ausrüstung.“ Gut so, ich bin dabei!

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Ein kleines ungefähr 75 Kilo schweres Problemchen hat sich gestern aufgetan: Wir haben eine 50 Meter lange 8-Millimeter-Ankerkette bei SVB in Bremen bestellt. Praktischerweise haben die das Ding direkt zum Yachthaven Friese Hoek geliefert, denn was hätten wir mit den 75 Kilos Stahl in Rabensburg angestellt? Außer sie ins Auto gewuchtet  und – mit zusätzlich 500 Kilo Gepäck – nach Lemmer geführt? Als wir am Montag in die Werf kamen, um die Mitarbeiter zu begrüßen und die nächsten Arbeitsschritte zu besprechen, informierte uns Werftmeister Martin, dass das Paket schon angekommen sei. Wir haben es allerdings nicht sofort zu unserer Maha Nanda geschleppt. Zum Glück. Denn zu Mittag erhielten wir von SVB einen Anruf, wir mögen doch bitte kontrollieren, was in dem Paket sei, sie hätten vermutlich zwei Pakete vertauscht. Tatsächlich. Statt der Ankerkette hatten wir einen Kühlschrank geliefert bekommen dessen einziger Vorteil gegenüber der Kette ist: Er ist halb so schwer. Uns tut allerdings der Franzose leid, der irgendwo an der Cote d’Azur bei 35 Grad schwitzend das 75-Kilo-Paket zu seiner Jacht transportiert hatte, es dort über die Reling gewuchtet und den Niedergang hinter geschleift hatte (wahrscheinlich hatte er sich dabei die ganze Zeit gewundert, dass ein kleiner Schiffskühlschrank solch ein Gewicht haben konnte), nur um dann festzustellen, dass sich der Haufen Stahl wohl kaum dazu eignen würde, seine Sammlung wunderbaren Cabernet Sauvignon zu kühlen.

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Bärenstarker Captain hebt die Ankerkette mit einer Hand

Na ja, die zerknirschte SVB-Angestellte sicherte uns zu, dass die Kette bis Donnerstag geliefert würde, inzwischen wird Martin unsere nigelnagelneue 1000-Watt-Cobra-Ankerwinde montieren. Den Anker brauchen wir jetzt eh noch nicht, wir sind ja nicht in Griechenland, wo in jedem Hafen geankert wird.

Stromerzeugung selbst gemacht

Ach ja, noch etwas haben wir erledigt, oder besser gesagt, in die Wege geleietet. Unsere Stegnachbarn, Margit und Raph West, die mit ihrer Westwind auch nächsten Mai Richtung Süden aufbrechen werden, haben uns einen Tipp gegeben: Yachtbouw Heeres, nur ein paar Hundert Meter vom Jachthafen entfernt, baut Stahlträger für Jachten. Da wir für unsere Stromversorgung Solarpanel und Windgenerator brauchen und diese Teile am Heck montieren werden, haben wir die Firma gleich kontaktiert und warten nun auf den Kostenvoranschlag. Wieder ein Stück weiter – aber die To-Do-Liste wird immer länger. Mal sehen, welches Kommando ich als nächstes von meinem Captain bekomme. Hoffentlich: „Klar zum Ablegen!“

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6 Kommentare

  1. Na ja, so ganz rudimentaer ist Eure nautische Ausruestung ja nun nicht! Ihr braucht Euch dann nicht darauf zu verlassen, wie ich als Navigator auf einem Toern von Suedspanien nach Belgien gesagt habe, wenn ich gefragt wurde, wie ich den Weg finden wuerde. Antwort. „Europa ist immer rechts!“ 😀

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  2. Guten Morgen!

    ich hab‘ Sie gestern fotografiert und würde die Bilder gerne übertragen.
    Vielleicht können Sie mir einen App schicken?

    Mif freundlicjen Grüssen,

    Ihr Nachbar,

    Jelte Hartvelt
    Baltic 37
    Steg 222
    06-51296948

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