Frauen aus 1001 Nacht. Denkt ihr nicht auch sofort an wohlgeformte Schönheiten mit riesengroßen, dunklen mit jede Menge Kajal geschminkten Augen? An luftige, seidene farbenfrohe Kleidung und üppigen Goldschmuck? Die Mode-Challenge des Monats könnte doch so leicht sein und doch ist sie für mich eine harte Nuss – und das liegt nicht daran, dass in Maha Nandas Schapps weder Chiffon-Kleider noch güldene Kostbarkeiten zu finden sind. Es liegt an der Wahrheit, der wir hier täglich ins Auge blicken. 

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Die Wahrheit ist: Marokkos Frauen verbergen ihre Schönheit. Egal, welch tolle Frau, welch wunderbare Figur, welch lange Beine, egal welch spannende Mode, welch cooles Shirt, welch frecher Minirock an uns vorbeischlendert: Wir sehen nichts von alldem, denn wie es in islamischen Ländern eben so ist, verhüllen sich die Frauen. Burkas sieht man in Marokko selten, aber den Hijab tragen 90 Prozent aller Marokkanerinnen – auch in modernen Städten wie Casablanca oder Marrakesh.

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Während in vielen mitteleuropäischen Ländern, auch in Österreich, nach wie vor heftig um das Verhüllungsgebot für muslimische Frauen debattiert wird, hat mich hier mittendrin im Geschehen der Anblick der Marokkanerinnen nachdenklich gemacht. Denn letztendlich ist die Kernfrage der politischen Debatten rund um Hijab und Burka die der Freiheit. Nämlich der Freiheit der Frau. „Kopftuchverbot nein! Frauen sollen selbst entscheiden können!“, schreit man von der linken Partei-Seite. „Burka und Hijab haben in unserem Kulturkreis nichts verloren“, skandieren die Rechten. Aber eigentlich ist es müßig, welche Parolen Österreichs Parteien-Vertreter auf ihre Wahlplakate drucken lassen, denn die Antwort auf diese Frage müssen weder Grüne noch FPler sondern die betroffenen Frauen geben. Müssten sie geben, wenn sie es könnten. 

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Der springende Punkt ist: Viele können es nicht, eben weil sie keine Wahl haben. Und wer keine Wahl hat, hat keine Freiheit. Diese Unfreiheit muslimischer Frauen wird mir bewusst, wenn ich hier einem Lokal sitze, thè à la menthe trinke und die Frauen, die an mir vorbeischlendern, betrachte. Ich bin überzeugt, dass die wenigsten von ihnen freiwillig braune Kopftücher und dunkelgraue Säcke am Körper tragen. Während unsere liberalen Politiker von Kopftuch-Wahlfreiheit sprechen, protestieren Frauenrechtlerinnen in islamischen Ländern gegen den Verhüllungszwang, dessen Zweck es ist, Frauen vor Blicken fremder Männer zu schützen. Sie wehren sich gegen dieses Frauenbild, das sie in erster Linie als Sexualobjekt darstellt, dessen Reize es zu verhüllen gilt.

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Ja, die Kleidervorschrift funktioniert – im Sinne konservativer Männer: Reizende Frauen sieht man kaum. Nichts an ihrem äußeren Erscheinungsbild lässt auf Attraktivität schließen. Von Kopf bis Fuß. Auch das Schuhwerk ist lieblos gewählt. Weder Kopftuch noch Kaftan sind farblich aufeinander abgestimmt, weder Handtasche noch Schuhe zeugen von Mode-Interesse. Ist es Musliminnen vollkommen gleichgültig wie sie aussehen, weil ihnen ohnehin von Klein auf erklärt wurde, dass eine Frau, die ihre „Reize“ wie zum Beispiel ihre Haare zeigt, unrein und unehrenhaft ist?

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Nein, das glaube ich nicht. Denn immerhin zeigen die meisten Mädchen und Frauen in Marokko ihre Gesichter, dürfen ihre Gesichter zeigen und müssen sie nicht hinter der Burka verhüllen. Gesichter mit wunderschön geschminkten Augen und perfekt geschminkten Lippen. Manches Mal, wenn ich eine verhüllte Schönheit mit wunderbaren, dunklen Augen neben einem männlichen Fettkloß sehe, dessen Wampe über sein T-Shirt hängt und dessen kurze O-Beine durch geschmacklose Bermuda-Shorts betont werden, wünsche ich mir Gnade: Männer! Verhüllt euch bitte und lasst eure schönen Frauen strahlen!

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Inspiration für diese Modestrecke holte sich mein persönlicher, stil- und modebewusster Fotograf in – wie könnte es anders ein – Yves Saint Laurents Garten in Marrakesh, dem Jardin Majorelle.

7 Kommentare

    1. Vielen Dank für die guten Wünsche aber wir warten immer noch…
      Gestern wäre der Wind perfekt für den Start gewesen, aber ein Sturmtief vor Nordspanien drückt Riesenwellen nach Essaouira und in der Hafeneinfahrt Rollen 4 Meter Brecher rein. Sieht gruselig aus. Auch die großen Fischerboote hängen hier im Hafen fest. Aber ab morgen geht die Welle angeblich deutlich runter. 🤔🙄😬😩😁

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