Unser Wunsch ans Christkind wurde nicht erhört

Maha Nandas Crew sendet Weihnachtsgrüße von den Kanaren? Sicher nicht! Falls ihr euch jetzt fragt, warum wir uns zu den Feiertagen gegen die Kanaren und für Marokko entschieden haben, muss ich leider zugeben: Haben wir nicht. Wir hatten längst entschieden, Essaouria zu verlassen, aber – Segeln ist kein Wunschkonzert. Auch zu Weihnachten nicht.

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Die Atlantikdünung, die bekanntermaßen besonders gerne, hoch und massiv genau vor Essaouria rollt, hat sich gegen unsere Pläne verschworen und beschlossen, an jenem Tag, der den perfekten Wind für unsere Fahrt Richtung Kanaren bot, auf vier Meter anzuwachsen. Stündlich marschierten wir mit dem Fernglas bewaffnet zur westlichen Mole, starrten in einer Mischung aus Faszination, Entsetzen und Frust auf das Naturschauspiel und hofften auf ein Wunder, das die See glätten möge, allein – kein Wunder geschah. Ein paar von den ganz großen Fischerbooten wagten sich raus, ansonsten war kein Mensch und speziell kein Segelboot vor Essaouria zu sehen. Am nächsten Tag war der Hafen schließlich gesperrt, kein Boot durfte rein und raus, die Dünung erreichte fünf Meter Höhe – sie schickt uns Grüße vom Sturmtief vor Portugal – das sah dann so aus:

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So spannend und abwechslungsreich Essaouria auch sein möge, irgendwann hatten wir die Warterei auf besseres Wetter satt und weil sich ohnehin tagelanger Südwind abzeichnete, beschlossen wir, mit dem Bus nach Agadir zu fahren. Die öffentlichen Busse erinnern ein bisschen an indische Öffi-Verhältnisse, wenn auch in abgeschwächter Form, denn unsere Tour durch Rajasthan – in einem überfüllten Bus ohne Fensterscheiben dafür aber mit dröhnender Bollywood-Musik und einem eingerauchten Fahrer, der zwischendurch zu Ganesh betete und in der Nacht bei Gegenverkehr mangels Abblendlicht ohne Scheinwerfer fuhr – ist nicht zu toppen. Aber immerhin, bei jedem Halt ging ein fliegender Händler mit Snacks und Tee durch die Reihen… und glaubt mir, auf den 160 Kilometern gab es viele Halte. Irgendwo im Nirgendwo. Und wenn der überfüllte Bus dann endlich losfährt, wird zuerst ein paarmal laut gehupt, dann fährt der Chauffeur kurz an – ein Zeichen, dass er es jetzt wirklich ernst meint – bleibt stehen, um die schnell noch angelaufenen Fahrgäste einsteigen zu lassen, hupt wieder, rollt langsam vorwärts und so weiter. Das ganze Anfahrtsspektakel dauert eine halbe Stunde, dann nimmt der Bus wieder Fahrt auf, um irgendwo in der Wüste erneut zu stoppen.

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Nach vier Stunden kamen wir doch in Agadir an. Eine andere Welt. Wenig Marokko und viel Bade-Tourismus. Die Dreadlocks-Dichte ist hier deutlich geringer als im Hippie-Zentrum Essaouria, stattdessen steigt proportional zu deren Abnahme die Zahl der Rotbauch-Europäer. Jene Bleichgesichter, die ihre gesamte Marokko-Urlaubswoche dazu nutzen, sich die afrikanische Sonne auf die winterweißen Bäuche scheinen zu lassen. Marokkos Vielfalt? Uninteressant solange das Bier kalt und die Cocktails billig sind.

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Naja, da es in Marokko wirklich schwer ist, Alkohol zu bekommen, sind wir auch schwach geworden und haben uns am frühen Nachmittag (!) ein Schluckerl genehmigt, aber ehrlich gesagt – Strand und Alkohol hin oder her – Agadir ist sicher nicht unser marokkanischer Lieblingsort.

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Und jetzt? Sind wir wieder mittendrin im Getümmel, hier in unserer vorübergehenden Heimat, dem Fischerhafen von Essaouria. Bunter, lauter, chaotischer und stinkender geht es nimmer, also das Gegenteil vom Ferienort Agadir.

Ein spannendes Detail möchte ich noch erwähnen: das Argan-Öl. Es wird von den Früchten des Argan-Baumes gewonnen, der nur in Südmarokko wächst und als Speiseöl aber auch für Kosmetikproduktion genutzt wird. Zwar wird es, weil es mittlerweile für die Kosmetikindustrie an Beliebtheit gewonnen hat, in Fabriken hergestellt, aber daneben wird auch noch die alte Methode der Gewinnung per Hand angewandt. Da etliche Bauernfamilien, die von der händischen Produktion gelebt hatten, durch die Umstellung auf industrielle Verarbeitung, zu verarmen drohten, gründete man eine Fraueninitiative, die UCFA. 22 Kooperativen mit über 1000 Frauen erhalten über die UCFA die Tradition des handgepressten Arganöls und in den Souqs im Süden von Marokko kann man sowohl die Produkte erwerben, als auch den Frauen bei der Ölproduktion zusehen.

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18 Kommentare

  1. Freue mich immer über die Berichte und Bilder. Wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest, auch wenn es nicht im gewünschten Land ist. Alles Gute und hoffentlich bald eine ruhige See!

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  2. Hallo, ihr Lieben! Ich wünsche euch noch viele schöne und manchmal auch etwas aufregungsärmere Tage und ganz besonders ein frohes Fest und ein glückliches Neues Jahr und dass eure Reise so verlaufe, wie ihr es euch wünscht. Liebe Grüße
    Raimund

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  3. Hallo Christoph and Uli!

    We wish you Marry Christmas and Happy new year by reaching all the destinations you have planned.
    I’am looking forward to read a new blog about your Christmas in african style in Maroco.
    Good luck and all the best

    Igor & Alena

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    1. Lieber Igor, wir freuen uns sehr, dass du beim Lesen des Blogs in Gedanken bei uns bist und dass er dich dazu inspiriert, den einen oder anderen Ort selbst zu besuchen. Wir wünschen euch schöne Feiertage und ein gutes gesundes neues Jahr! Die Maha Nanda Crew

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  4. Ich leide mit Euch und wuensche Euch, dass Petrus im kommenden Jahr Euch besser gesinnt ist.
    Ich wuensche Euch ein froh-besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute in Neuen Jahr,
    Euer Pit
    P.S.: Hier haenge ich mal meinen Jahresrueckblick fuer 2019 an:
    Jahresrückblick 2019
    Liebe Freunde,
    wie immer bin ich mal wieder spät dran, und ich weiß nicht, ob dieser Jahresrückblick noch vor Weihnachten ankommt. Aber vor Beginn des nächsten Jahres ist er hoffentlich da.
    Alles in Allem war es wieder ein gutes Jahr. Mary und mir geht es verhältnismäßig gut. Ach ja, und wie bei uns anscheinend üblich, war es auch mal wieder ein Reisejahr – ein echtes!
    Im Januar war ich wieder ein paar Wochen in Deutschland – für Routinebesuche bei Ärzten meines Vertrauens. Ergebnis erfreulich gut: Alles im grünen Bereich! Leider hat es aber der vielen Termine und des Wetters wegen nicht geklappt, alle geplanten Besuche wahrzunehmen. Mal sehen, ob es in 2020 klappt. Weil es absehbar war, dass Mary viel Däumchen drehen würde, während ich bei Ärzten sein würde, ist sie dieses Mal hier geblieben und hat die Zeit genutzt, mit ihren Kindern und ihrer Cousine ihren 71sten Geburtstag zu feiern – in Las Vegas bei einem Konzert von Lady Gaga.
    Im März war sie dann zusammen mit ihrer Cousine in Peru, u.A. in Machu Picchu [ja, sie hat es bis ganz oben geschafft!] und auf dem Amazonas. Ich bin hier zuhause geblieben, weil mir solche Touren – die Tage sind wirklich sehr gefüllt – nicht so sehr liegen, auch wenn so etwas natürlich eine einmalige Gelegenheit ist. Wir haben aber selbstverständlich auch Reisen zusammen unternommen.
    Anfang Juli waren wir für ein paar Tage im/am Palo Duro Canyon im nördlichen Texas. Das hatten wir schon seit Jahren vorgehabt, aber es ist extrem schwierig, eines der drei kleinen Häuschen am Rande des Canyons zu ergattern. Palo Duro ist – nach dem Grand Canyon [den wir übrigens dieses Jahr auch besucht haben] – mit insgesamt 190 Kilometern Länge der zweitgrößte Canyon der USA: eine großartige Landschaft, aber auch enorm heiß!
    Mitte Juli habe ich dann etwas Verrücktes unternommen: während Mary mit ihrer Cousine zu einem Konzert der Rolling Stones in Jacksonville in Florida war, habe ich mir das Fußballspiel des BVB Dortmund [mein Lieblings-Bundesliga Klub] gegen den FC Liverpool live in South Bend in Indiana angesehen. So jeck kann man sein: mit dem Flieger von Austin über Baltimore nach Indianapolis, und von da mit einem Leihwagen nach South Bend. Hat aber Spass gemacht: donnerstags abends öffentliches Training angesehen, freitags dann zuerst Parkplatz-Party mit Dortmund Fans, Fanbetreuern, und auch ein Foto mit Roman Weidenfeller, und danach das Spiel, das Dortmund 3:2 gewonnen hat – krönender Abschluss des Tages! Samstags wäre ich gerne zur Autogrammstunde nach Chicago gefahren, aber da hat mein Herz Zicken gemacht – leider.
    Im August waren Mary und ich dann zu unserem 10. Hochzeitstag [ja – so lange hat sie es schon mit mir ausgehalten!] in Alaska. Das war einerseits ganz fantastisch, andererseits hatte Mary aber große Probleme mit ihrem linken Knie, und das hat uns leider einen Strich durch Einiges dort gemacht. Wir waren zwei volle Tage in Anchorage und sind dann mit einem sehr komfortablen und wenig besetzten [ganze 15 Personen] Reisebus 5 1/2 Stunden [mit einer Pause] durch eine unvergessliche Szenerie zum Denali Nationalpark gefahren. Leider hat es wegen Marys Knie nur zu einer Bustour durch diesen Park gereicht. Die allerdings war etwas ganz Besonderes: vom frühen Morgen bis zum Abend die gesamten 150 Kilometer der „Park Road“ bis zum Ende und wieder zurück, mit einer exzellenten Fahrerin/Führerin, durch eine absolut großartige Landschaft, in der wir auch viele Wildtiere zu sehen bekamen. Eine zweite Bustour sowie ein Rafting auf dem Nenana River haben wir dann aber leider ausfallen lassen müssen. Zurück ging es dann im Zug [Aussichtswagen, Mittag- und Abendessen in einem gepflegten Bordrestaurant] – in 7 1/2 Stunden durch eine genauso fantastische Natur wie auf der Hinfahrt im Bus.
    Marys Knie-Probleme haben uns aber nicht abgehalten, im September zuerst nach Sedona in Arizona und dann nach Las Vegas zu fahren, wo Mary zusammen mit ihrer Cousine sowie ihrer Tochter und deren Freund ein Konzert der Eagles [mal wieder nix für mich!] besucht hat. Sedona – ein Ort in einer absolut grandiosen Landschaft – war eine organisierte Reise, auf der wir u.A. auch einen Tagesausflug zum Grand Canyon gemacht haben. Wegen ihrer Probleme mit ihrem Knie war Mary leider auf einen Rollstuhl angewiesen, hat die Reise aber dennoch genossen.
    Zu Marys Knie: sie war in Florida gestolpert und hatte sich dabei eine ziemliche Zerrung im rechten Unterschenkel zugezogen. Die war fast ausgeheilt, aber dann machte ihr kurz vor der Reise nach Alaska das Knie starke, zuweilen stechende, Schmerzen, die der Orthopäde hier lapidar als „leichte Arthrose“ abtat. Auf dem Flug wurden das Bein/Knie dann dicker und die Schmerzen stärker, sodass wir gleich am ersten Tag in Anchorage zum Arzt sind, der dann eine Oberflächenvenenthrombose diagnostizierte. Da war dann nicht viel mit Laufen, aber – wie schon gesagt – wir haben die wunderbare Landschaft dort immer noch genossen. Die Thrombose ist zwar vorbeigegangen, aber das Knie wurde nicht besser, und sie ist nach unserer Rückkehr in eine orthopädische Klinik in San Antonio gefahren und hat dort endlich einen Arzt getroffen, der Ahnung vom Fach hat und sich auch kümmert. Es war keine Arthrose, sondern ein Meniskusschaden [hatte ich – obwohl Laie – schon zu Anfang vermutet] plus ein entzündeter Ermüdungshaarriss im rechten Oberschenkel. Ganz ist das immer noch nicht vorbei, aber schon deutlich besser. Nach einem Folgetermin Anfang Januar werden wir mehr wissen.
    Ich konnte es ja dann nicht lassen, sondern musste auch mitmachen und hatte nacheinander eine schwere Bronchitis, eine Gürtelrose, und dann einen wohl allergisch bedingten Husten. Der ist jetzt fast ganz weg, und so ganz langsam werden auch meine Bronchien wieder frei.
    Jetzt aber wieder zu etwas Positivem: wir haben – endlich – die Renovierung von Marys Elternhaus in Karnes City abgeschlossen, und vor ein paar Tagen haben wir auch zuverlässige Mietinteressenten gefunden.
    So, damit seid Ihr nun wieder auf dem Laufenden, was das Geschehen hier angeht, und es bleibt uns nur noch, Euch ein Frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr zu wünschen,
    Eure Mary und Pit

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    1. Lieber Pit, wir wünschen dir und deinen Lieben ein schönes Fest und ein gutes neues Jahr. Schön dass du uns auf unserer Reise begleitest, ich freue mich immer über deine Anekdoten, passend zu unseren Erlebnissen. Wir hoffen, du bleibst uns auch nächstes Jahr treu. Alles Liebe von der Maha Nanda Crew

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  5. Frohe Weihnachten! 🥂🍾🎄Diese Weihnachten werden euch immer in  Erinnerung bleiben!🏖🏜⛵Und wieder habt ihr ganz tolle Fotos gemacht 👏👏👏Am Sonntag hat mich Heinfried zu meinem Geburtstag angerufen und wir haben über euch geplaudert, war sehr nett Alles Liebe und besseren Wind wünschen wir euch ⛵Von meinem Samsung Galaxy Smartphone gesendet.

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