Ich mache mir gar nicht die Mühe zu errechnen, auf wie vielen Quadratmetern Christoph und ich ein Jahr lang leben werden, es genügt zu wissen, dass es sehr wenige sein werden. Und wisst ihr was? Das ist meine geringste Sorge. Ehrlich: Ich weiß, dass das Leben auf engstem Raum keine veritable Ehekrise auslösen wird und dass es an unserem  Beziehungsleben nichts ändern würde, wenn unsere Maha Nanda nicht nur 36 sondern vielleicht 46 Fuß lang wäre.

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Warum ich mir so sicher bin? Weil ich meinen Captain so gut wie keinen anderen Menschen auf der Welt kenne, weil mir seine Nähe seit über 30 Jahren vertraut ist und überhaupt. Was genau sollte ich in einem doppelt so großen Salon während unserer Reise machen? Tanzen? Oder Weitspringen? Tatsächlich entstand gerade in einem Forum die Diskussion um die ideale Langfahrtjacht und wie zu erwarten ergab sie keine allgemeingültigen Erkenntnisse, was wohl daran liegt, dass die Entscheidung für die passende Jacht nicht nur vom Funktionalen abhängt, sondern sehr viel von Emotionen – und natürlich auch vom Geldbeutel. Ist doch wie beim Auto. Ein überzeugter VW-Fahrer würde niemals einen Suzuki kaufen und wer auf Skoda schwört, kann mit BMW nix anfangen.

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Mir taugt dazu Bobby Schenks bekannte Aussage: „Der Skipper macht das Schiff“. Schließlich wurden die Ozeane schon mit den unglaublichsten Schinakeln (österreichisch für „kleines Boot“) bereist. Soll nicht heißen, dass es egal ist, welches Schiff du wählst, aber ob du dort ankommst, wo du ursprünglich hinwolltest, hängt in erster Linie vom Captain und der Crew ab. In unserem Fall ist die Crew überschaubar, sie besteht aus mir. Und das ist gut so. Es gibt ja eh nur drei Langzeit-Segelvarianten: Mit Ehepartner (eventuell inklusive Kinder), mit Freunden oder Einhand. Die Variante mit Freunden muss wohl die mühsamste sein, gibt auch wenige, die wirklich lange Zeit gemeinsam unterwegs sind, denn stell dir mal vor, du bist monatelang mit dem Typ „Klugscheißer“ unterwegs. Kennt ihr diese Segler? Die jede Segeltrimm noch optimieren, über GRIB-Files stundenlang dozieren und zu jeder Situation ein haarsträubendes Beispiel ihrer beispiellosen Seglerkarriere beisteuern können, das alles bisher Erlebte x-fach toppt?

Schlimm stelle ich mir auch die Fahrt mit einem selbsternannten Admiral vor. Also jene Typen, die grundsätzlich nur im Befehlston kommunizieren, sobald sie einen Fuß an Bord gesetzt haben. Deren gestrengen Augen kein schlampiger Palstek, kein noch so minimal killendes Segel entgeht. Der Admiral meint grundsätzlich, das Kommando zu haben, selbst wenn er nicht der Skipper ist. Er ist jener Seglertyp, der – in seiner persönlichen Wahrnehmung – fürs Herrschen geboren ist. Mein persönlicher Albtraum.

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Ich würde mich allerdings auch vor den Peniblen in Acht nehmen. Das sind oft jene mit viel Geld und wenig Empathie. Die zucken aus, wenn ein Crewmitglied beim Croissant-Essen ins Teak-Cockpit bröselt oder die Fender nicht auf Millimeter exakt in der gleichen Höhe befestigt sind. Das sind auch die Typen, deren Leinen du IMMER in Schneckenform an Deck finden wirst. Ich denke, sogar bei Windstärke 10 vor Kap Hoorn. Obwohl die wenigsten Peniblen es bis Kap Hoorn schaffen. Die Gefahr der Unordnung an Deck ist in diesen Breiten einfach zu groß…

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Nicht ganz so groß wie unser Wohnzimmer, aber groß genug: der Salon

Eine typische Spezies findet sich in der oberen Adria, speziell in Kroatien, häufig. Die saufenden Männercrews. Es scheint zum Volkssport für Herren mittleren Alters geworden zu sein, für ein langes Wochenende ein Bavaria zu chartern und dann so richtig sie Sau rauszulassen. Soll heißen: die wichtigste Frage ist die der Alkoholmenge die gebunkert werden muss. Die zweitwichtigste: welche Art von Alkohol. Der Törn ist nicht so wichtig, Hauptsache einer hat das kroatische Küstenpatent und weiß so ungefähr, wie das GPS funktioniert, aber die Nächte sind legendär. Sofern man sich am nächsten Tag noch erinnert.

In all diesen Fällen ist es sonnenklar. Das Schiff könnte für mich gar nicht groß genug sein, um den Crewmitgliedern zu entkommen. Im Fall des zu mir gehörenden Captains denke ich jedoch, dass wir uns nicht allzuviel in die Quere kommen werden. Wenn einer im Cockpit sitzen muss, zieht sich im Falle einer Missstimmung der andere dann eben unter Deck zurück, in der Nacht liegt eh immer nur einer allein in der Koje… Also sooo viel werden wir uns gar nicht sehen 😉 Außerdem hab ich das große Glück, dass Captain Christoph weder Klugscheißer noch Admiral, auch nicht penibel und schon gar kein grölender, saufender Partytiger ist.

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6 Kommentare

  1. Wenn Zwei sich verstehen, dann sollte auch ein Langtoern kein Problem sein. Anders sieht das bei zusammengewuerfelten Crews aus. Ich war mal in einer, in der wir einen Trunkenbold an Bord hatten, der (fast) staendig „Oh Cangaceiro“ groelte, unentwegt ruelpste und dann jedesman grinsend von sich gab, „Reine Koerperbeherrschung: haette glatt auch ein Furz werden koennen.“ Wenn man das einmal hoert, kann man ja vielleicht noch drueber lachen, aber wenn es staendig kommt, nervt es. Ebenso wie das Lied. Ein, zwei oder auch drei Mal ist es ja ok – jedenfalls wenn es normal gesungen wird. Aber tagein, tagaus, und dann noch gegroelt – nein, danke. Ich war froh, dass ich das Boot vorzeitig verlassen konnte.

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      1. Das war’s auch! Ich erinnere mich noch an einen Abend, auf dem Rueckweg vom Abendessen zum Boot, an dem ich ein Stueck hinter der Gruppe geblieben bin, damit man nicht meinte, ich wuerde dazu gehoeren. Ich habe mich geschaemt, weil dieser Mensch jeden, der uns begegnete, angepoebelt hat. Im Nachhinein bin ich froh, dass das Boot schon nach dem ersten Tag [der Toern sollte von Algeciras nach Kiel gehen], in der Strasse von Gibraltar (nach einer Pantenhalse) Ruderprobleme hatte, und dann in Cadiz repariert werden musste, und ich einen Grund zur Abreise hatte.

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      2. Freut mich, dass meine Segelerinnerungen Dir gefallen. Aber auch die noch zu bloggen?! Ich komme ja jetzt schon nicht mehr nach mit allen Blogartikeln, die noch auf’s Schreiben warten. Mit dem Bericht uener unseren RailTrailsRoadTrip im Mai und Juni (!!!) bin ich ja erst zur Haelfte fertig. Wo soll das noch hinfuehren?! :“D

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