Eines ist sicher: Wir werden im Mai 2019 auf unsere Jacht steigen und lossegeln. Immer Richtung Südwesten. Aber Hilfe! Wir haben vor einem Jahr unsere Maha Nanda gekauft und seitdem sind wir ständig mit Planen, Arbeiten, Verhandeln und Einkaufen beschäftigt. Dabei war eh schon so viel vorhanden, als wir sie vor einem Jahr zum ersten Mal besichtigt haben. Abgesehen von Rumpf und Rigg war da schon einiges, ziemlich viel sogar, aber viel ist nicht genug. Wir arbeiten also an der Optimierung für die Hochseetauglichkeit.

Diese Woche haben wir echt nette Dinge gekauft. Drei Packerl sind uns geliefert worden und versperrten unseren Vorraum. Im kleinsten Packerl ist die Schrift drinnen, denn wenn wir im September wieder nach Lemmer fahren, soll Maha Nandas Name endlich am Rumpf prangen. Selbstverständlich müssen wir auch die Registrierungsnummer aufkleben, immerhin fahren wir ja mit niederösterreichischem Kennzeichen, höchstpersönlich von unserer hochverehrten Landeshauptfrau vergeben.

Männerspielzeug

In den anderen beiden Packerln ist Captain Christophs neuestes Männerspielzeug. Das Dingi plus Motor. So sehr mein Captain vom entspannten Segelreisen überzeugt ist und so wenig er an Regattasegeln und Tempomachen interessiert ist, wenn’s ums Speed geht, wird er zum Kind. Nicht umsonst ist Christoph auch noch Biker – was macht der Mann eigentlich noch alles neben segeln, malen, tanzen und facilitymanaging im eigenen Haus plus Garten? Jedenfalls nennt er eine uralte Kawasaki EN 500 sein Eigen und gibt sich gelegentlich den Speed-Kick auf der Straße. Daher wunderte ich mich auch überhaupt nicht, als ich abends von der Arbeit heimkam und Christoph beim Aufpumpen seines knallroten Gummiboots im Hof neben dem Gartenteich erwischte. Die Captain-Augen leuchteten, als er mir erzählte, dass er sich schon immer, schon als kleines Kind im Italienurlaub, so ein kleines Schlauchboot mit Motor gewünscht hat und jetzt endlich…

Künstlerpech

Bisher sind wir mit unseren Ausrüstung-Anschaffungen auf gutem Kurs, nur beim Ölzeug ist dem Captain ein kleiner Faux-pas passiert. Dabei war er doch bestens vorbereitet. Ihr müsst nämlich wissen, dass der beste Ehemann von allen ein ausgeprägtes Talent für Outfit-Präsente hat. Während ich von Freundinnen immer wieder mal höre, „mein Mann schenkt mir keine Klamotten, ist auch besser so, er kennt ja nicht mal meine Kleidergröße“, hab ich von Christoph schon oft hübsche Dinge für meinen Körper, die dann auch sein Auge erfreuen, als Überraschungsgeschenk bekommen. Sein unfehlbares Künstlerauge erkennt die passende Kleidergröße und trifft auch meinen Geschmack. Wunderbar! Letztes Jahr hat er mir wieder etwas zum Anziehen geschenkt, ausnahmsweise kein Minikleid und auch keine Wäsche. Ölzeug stand am Brief an das Christkind. Diesmal ging der Künster auf Nummer sicher, wollte sich nicht auf sein Gespür verlassen und vermaß mich vorab akribisch. Von Bauchumfang über Beinlänge wurde alle dokumentiert (und nebenbei auch kommentiert), dann wurde bestellt. Bei awn wurden wir fündig: Qualität und Preis passen und auch die Farbe ist wichtig – sagt der Künstler mit einem gewissen Sinn für Optik 😉

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Das Ergebnis sah so aus – und wurde umgehend umgetauscht. Zwei (!) Kleidergrößen zu viel. Unser Football-spielender, muskelbepackter, fast zwei Meter großer Sohn Matthias hat in die Hose reingepasst. Wo hat das Künstlerauge da nur hingeschaut?

Was wir jetzt noch checken müssen: Anker haben wir mitgekauft, ist allerdings sinnlos ohne Ankerkette und Winsch, beides müssen wir noch besorgen, wir sind aber noch ein bisschen unentschlossen, das Angebot ist ja riesig und immer wieder hadern wir mit unserem küstenlosen Heimatort Rabensburg, aus dem du nicht einfach auf einen Sprung nach Bremen schauen kannst, um dich von Fachleuten beraten zu lassen. Auch die 1300 Kilometer bis Lemmer zu unserem Schiff fahren wir nicht mal eben so am Wochenende. Ja super! Wir leben in der Nähe von Wien, Kulturhauptstadt und Sehnsuchtsort so vieler Menschen, aber eine Stadt ohne Meer entbehrt einer gewissen Sinnhaftigkeit – finden wir.

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Mühsam ist es auch, die geeignete Versicherung für Maha Nanda zu finden. Für uns, die wir das Geld für den Kauf der alten Dame hart zusammengespart haben, ist sie kostbar, vom ideellen Wert gar nicht zu reden. Für die großen Schiffsversicherer ist sie – brutal gesagt – zu alt und so mickrig, dass es sich nicht lohnt, sie zu versichern. „Eine Jacht mit diesem geringem Wert und Baujahr versichern wir nicht“, heißt es. Wir suchen weiter.

Bin jetzt Hydraulik-Expertin

Ach ja, dann brauchen wir noch ein paar essentielle Kleinigkeiten, wie zum Beispiel einen Kompass. Da ist mein Captain unbarmherzig: ohne Kompass fährt er nirgendwo hin. Ja so sind sie, die Kapitäne, immer bestehen sie auf ihre technischen Spielereien, seit Wochen werden mir die Vorteile von horizontaler und vertikaler Gradeinteilung, von Flüssigkeitsdämpfung und zusätzlicher Kompensiereinrichtung im Detail erläutert, ich bin mittlerweile Expertin in Sachen Windgeneratoren und Solarzellen, kenne die Vor- und Nachteile der Hydrauliksteuerung, weiß, was eine Opferanode ist, kann über galvanische Isolatoren stundenlang fachsimpeln… Stopp! Die Wahrheit ist, ich bin ein technisches Nackerpatzerl und froh, einen Techniker an Bord zu haben. Letzendlich vertrete ich den Standpunkt: Alles, was ich wissen muss, um Maha Nanda allein steuern zu können, alles was unserer Sicherheit dient, alles was wir im Alltag brauchen, muss ich können. Den Rest schenke ich mir. Ich bin überzeugt davon, dass für mich niemals die Notwendigkeit bestehen wird, mitten am Atlantik völlig allein auf mich gestellt, den Ölfilter des Dingi-Motors zu wechseln. Auch werde ich garantiert niemals die Hydrauliksteuerung reparieren, und den Kompass in Einzelteile zerlegen und wieder zusammenpuzzeln wird wohl auch eher nicht zu meinen täglichen Aufgaben gehören. Daher gilt: Ich überlasse diesen unnötigen Wissensballast dem besten Ehemann und Techniker von allen und schaffe damit in meinem Hirn freie Kapazitäten. Fürs Schreiben zum Beispiel, das muss ja auch einer machen.

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