Überraschung! Kurzzeitiger Autorenwechsel: Diesen Blogbeitrag habe nicht ich geschrieben, sondern Johannes Königsecker, ein begnadeter Märchenerzähler, den ich vor einigen Jahren im Weinviertel für de Bezirksblätter interviewen durfte. Er hat, inspiriert durch meine Segel-Geschichten, spontan Märchen an mich geschickt und mir genehmigt, diese zu veröffentlichen.

Von den Möwen im Norden und wie sie die Feen-Tochter im Weinviertel suchen

Es war einmal eine Zeit, von der wir sagen, dass sie dunkler und trostloser als unsere heutige war. Eine Zeit, in der Aberglauben und finstere Knechtschaft das Lebern der Leute verdunkelte. Angst vor bösen Mächten, vor Magie und vor Naturgewalten bestimmte das Leben der meisten.

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Doch gerade damals, da gab es welche, die nicht fürchteten sondern ganz einfach annahmen. So wie die Welt war. Voller Sonnenschein mit Blütenmeeren und lauem Sommerwind, mit Orkanen und eiskalten, rabenschwarzen Winternächten, in denen das Heulen des Windes schrecklicher klingt, als der Gesang von Tausend Kobolden und die trotzdem schön sind, wunderschön. Eine Natur, die ist wie das Wasser, imstande furchtbare Wunden zu reißen und sie auch gleich wieder verheilen zu lassen. Nirgends ist der Tod für uns näher, als in der sprudelnden Gischt tosender Wasser und nirgends gibt es mehr Leben und Labsal für Körper und Seele, als im tiefen, glatten Blau des Wassers. Es trägt Leidenschaft in seinen Bächen, Sattheit in seinen Seen und die ersten Nebel der Unendlichkeit über dem Meer. Wer mit seinem Geist die Seele des Wassers berührt hat, hat Gott den Rocksaum geküsst.

 

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Und in jener Zeit vor vielen tausend Monden, da lebt hoch im Norden ein junger Fischer der mit seiner Suche nach Weisheit den ersten Kreis des Wassers verstanden hat und in seiner Seele die Ahnung von den ewigen Gesetzen des Lebens trug. Jeden Abend fuhr er mit dem Wind aufs Meer, fischte mit grobem Netz und brachte trotzdem den besten Fang nach Hause. Wohl konnte er die Zeichen des Meeres und seiner Geschöpfe deuten. Doch er fischte nur, was ihm sein Gewissen erlaubte und wurde dafür reich belohnt.

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Die Nordfee, Herrin über die Wasser des Nordens, den Fischen und den Möwen fand Gefallen an dem jungen Mann. Sie zeigte ihm durch die Möwen die besten Fischgründe und näherte sich immer mehr dem Boot bis der junge Mann sie entdeckte. Fortan saß die Fee auf seiner Reling und plauderte mit ihm bei jeder Fahrt.

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Den anderen Fischern blieb dies nicht verborgen, denn die Fee hatte sich verliebt und die Liebe macht Geisterwesen sichtbar und schlussendlich zu Sterblichen. Der Nordfee war dies bewusst, doch die große Liebe ist so etwas Seltenes, dass sie jedes Opfer wert ist. Aber der Neid der anderen Fischer war so groß, dass sie den jungen Mann in Ketten schlugen und drohten, ihn zu ertränken wenn ihnen die Nordfee nicht die Herrschaft über die Gewässer und Fischgründe überließ.

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Als die Nordfee erschien, wurde doch vielen Fischern mulmig, denn so manchen von ihnen hatte sie schon in Seenot geholfen, so ließen sie den jungen Mann frei und wollten schon von dannen ziehen. Als die Frauen des Ortes zu schimpfen und schreien begannen. „Wollt ihr klein beigeben vor dieser Hexe, die uns ewig jeden Reichtum versagt? Da draußen ist soviel Fisch, dass wir alle in Luxus schwelgen könnten, wenn sie es nicht verhindern würde. Verjagt sie endlich und wir holen uns aus dem Meer, was uns zusteht, wir brauchen diese Hexe nicht, fort mit ihr!“

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Angeekelt von soviel Gier und Dummheit gebot die Nordfee dem Geschrei Einhalt: „Gut, wenn ihr glaubt, in eurer Gier könnt ihr die Waage der Weisheit über die Wasser halten, nur zu! Anstatt Reichtum zu erlangen, werdet ihr ein Vielfaches von heute fangen müssen und trotzdem bitterarm sein. Ich gehe mit meinem Mann tief in das Land hinein, weit in den Süden, wo das Land flach ist wie das Meer, die Wolken über endlose Wiesen gleiten und alle Flüsse sich nach Osten wenden und nur der Winter uns an den Norden erinnert. Dort werden wir leben und meine Feenkraft wird durch Hundert meiner Töchter wandern. Wenn ihr bis dahin nicht alles zerstört habt, wird euch vielleicht meine Hundertste Tochter wieder helfen, alles ins rechte Lot zu bringen. Doch diesmal müsst ihr bitten. Von selbst kommt niemand mehr.“

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Viele Jahre sind seither ins Land gezogen und als sich das Unheil abzeichnete, begannen die Möwen ihre Fee zu suchen, viele Meilen sind sie ins Binnenland vorgedrungen, auf der Suche nach der letzten Tochter, weit sind sie bereits im Land und jeden Winter werden es mehr. Darum frage deine Seele, ob nicht auch in dir der Hauch einer Fee steckt. Denn es ist Zeit, laut zu rufen anstatt leise zu weinen.

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Und hier noch ein wunderbares Märchen von den Schönheiten fremder Küsten:

Von den Traumreisen und dem Mädchen, dem keiner Glauben schenkte

Vor langer, langer Zeit, als das Fremde noch weit hinter den Nebeln der Enns lag, da stand auf dem Hundsheimer Berg ein riesiger, uralter Baum. Immer wenn die Herbstwinde die Blätter verblassen lassen hatten, ging der Vollmond genau hinter den kahlen Ästen auf und es sah aus, als hätte der Baum goldenes Laub. Eine alte Legende erzählt, dass in dem Moment eine riesige Eule aus den Schilfwäldern des Ostens aufsteigt und über die Donauländer fliegt. Begegnet sie einer Seele nimmt sie sie mit auf ihrem Flug und die Legende sagt, dass viele Seelen nicht mehr in ihr Körperheim zurückfinden und verzweifelt umherirren.

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Nur die Schamanen lieferten sich der Gefahr aus und erzählten den Menschen, die sich in ihren Häusern verkrochen, von haarsträubenden, abenteuerlichen Reisen.

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Wieder war so eine Nacht und die Leut saßen angstvoll in ihren Häusern und warteten darauf, was ihnen der Schamane am Morgen erzählen würde. Ganz erschöpft kam der gute Mann von seiner Traumreise zurück und erzählte und erzählte gar schrecklich, schauerliche Geschichten, bis ein kleines Mädchen plötzlich sagte: „Das stimmt doch alles nicht – jede Nacht besucht mich die Eule, nimmt mich mit auf ihre wundersame Reise und zeigt mir eine traumhaft schöne Welt und jedes Mal entdecke ich was Neues.

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Die Eule zeigt mir die Donauländer, fliegt mit mir bis zur Levante und zeigt mir, wovon die griechischen Händler erzählen. Von den Segelbooten, die über die Nacht aufs Meer rausfahren und mit Feuerkörben die Fische anlocken – ihre weißen Segel tanzen wie Sterne übers Meer. Sie zeigt mir Rom, jene Stadt, von der die Soldaten erzählen und deren Straßen am Abend voller Leute sind. Sie zeigt mir die schneeweißen Gipfel der Berge und ein Land aus Gras und Wasser, über das riesige Herden wandern und Vogelschwärme wie weiße Blüten übers Land ziehen.

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Sie zeigt mir jene wilde Küste im Westen, wo die Welt zu Ende ist und von der die Wallfahrer erzählen. Nach Norden hin wo die Küste von Steinmonumenten überseht ist und dann langsam in flaches Land übergeht mit endlos weiten Stränden, das Nordmeer durch eine Landzunge vom Bernsteinmeer getrennt ist, jenes wunderbare Land von dem die Bernsteinhändler erzählen, und dann flegt sie über Wälder und Seen, entlang riesiger Flüsse wieder heim mit mir und in tiefem, festem Schlaf klingen die wunderschönen Bilder nach.“

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Wir haben nicht dem kleinen Mädchen zugehört, nicht den Träumern und Phantasten. Den Priestern, Schamanen und Anabethari aber schon … Wars ein Fehler?

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