Was machen wir eigentlich, was geht hier vor? Der Plan war doch Barfußroute, Karibik und ewiger Sommer. Und wir? Bereiten uns scheinbar auf eine Polarexpedition vor. Eventuell übertreibe ich jetzt ein wenig. Aber nur ein wenig! Denn ich habe gerade aus einem großen Karton, der per DPD geliefert wurde, einen Petroleumofen und einen Heizstrahler herausbefördert. Jetzt frage ich euch: Braucht man in der Karibik einen Petroleumofen?

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Die Wahrheit ist. Maha Nanda soll in wärmere Gefilde gesteuert werden. Derzeit aber steht sie in Friesland und dort hat es jetzt gerade – Moment ich schau mal was mein iPhone sagt – ja, also 4 Grad Plus und in der Nacht soll’s minus 1 Grad werden. Wie sich’s bei solchen Temperaturen am Schiff lebt, haben Captain Christoph und Sohn Matthias ja schon im Selbsttest erfahren, als sie Anfang November heroisch und ohne Petroleumofen und Heizstrahler zwei Nächte auf Maha Nanda verbracht haben. Es waren diese Nächte, als das Klo-Mantra gebetet wurde.

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Wir gehen mal davon aus, dass es im April, wenn sich Christoph wieder – und dann für lange Zeit – in Maha Nanda gemütlich einrichtet, wettertechnisch nicht ganz so gemütlich sein wird, und auch der Mai und Juni sind auf Höhe England im Ärmelkanal und am Atlantik höchstwahrscheinlich nicht durchgehend mit tropischem Klima gesegnet. Wir werden also frieren, denn wir sind… also ich will jetzt nicht das böse Wort Weicheier hören – aber kälteunempfindliche Haudegen mit wettergegerbter Haut und dem unbändigen Drang nach Leben in rauer Natur sind wir auch nicht. Letztens haben wir bei wohligen 22 Grad Innentemperatur am Sofa unter die Decke gekuschelt The Revenant geschaut und uns dabei gegenseitig versichert, dass dieser Winter in den Rocky Mountains, die Schneestürme und dazu die fehlende Funktionskleidung des Leonardo DiCaprio, der eingehüllt in ein Bärenfell wochenlang durch den Wald wandern musste, lebensfeindlich, unmenschlich und beim bloßen Hinschauen unerträglich seien.

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Ostsee im Juni: So sieht Deckhand Ulli aus, wenn ihr beim Segeln kalt ist
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Ostsee im Juni: So strahlt Captain Christoph, wenn es beim Segeln kalt ist.

Andererseits muss ich zu des Captains Verteidigung sagen: Er kann auch anders als nur Mimose sein. Daheim ist er definitiv der kälteempfindlichere von uns beiden. Am liebsten wäre es ihm, die Wohnung wäre Tag und Nacht auf 25 Grad temperiert. Ach was, am besten wäre es, es hätte durchgehend 35 Grad, Sonnenschein und ein Jahr lang keine Regenwolke. Wenn normale Menschen – also ich – T-Shirt tragen, kommt er mit Rollkragenpulli daher, die Daunenjacke zieht er auch noch im April an und der Schal wird nur im Juli und August abgelegt. Am Meer wird dieses sensible männliche Pflänzchen zum Seebären und blickt Sturm und Wellen unerschrocken in die Augen. Ein paar Kleidungsschichten braucht es natürlich schon, um die Stunden am Steuerrad kältetechnisch zu überstehen, aber gut. Wir sind halt Österreicher. Als wir in Friesland so ausgerüstet unterwegs waren:

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Segeln in Friesland, Niederlanden

Kam uns ein Brite in kurzen Hosen und Pulli am Steuer pfeifend  und Bier trinkend entgegen. Aber es ist ja klar, Nordeuropäer haben ein anderes Kälteempfinden als wir, das erlebten wir auch in Schottland (wir Schal und Mütze, sie T-Shirt) und in Schweden (wir Jacke und Schal, sie T-Shirt). Am 1. März in Florenz dagegen waren wir über die beginnende Frühlingsstimmung entzückt und waren so unterwegs:

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1. März in Florenz, Italien

Die Florentiner trugen Daunenjacke. Und in Delhi, wo wir Ende Jänner aus einem veritablen Wiener Schneesturm, der die Südosttangente lahmgelegt hatte, ankamen, trugen wir bei 25 Grad T-Shirt und sonnten uns in der Frühsommer-Stimmung, während allerorts frierende Inder in große Schals gehüllt ihre Verwunderung ob unserer offensichtlichen Kälteunempfindlichkeit zum Ausdruck brachten. Ja, in Wahrheit sind wir Österreicher ja ein hartgesottenes Bergvolk, extreme Witterungsbedingungen haben seit Jahrhunderten Körper und Geist gestählt, kein Sturm, kein Blizzard kann uns erschüttern. (Dass wir im östlichen Niederösterreich leben, dem flachsten Teil des Landes, sei jetzt mal unerwähnt.) Hier der Beweis: In jungen Jahren war Christoph ein Woche mit Freunden auf Schiurlaub. Nix Fünf-Sterne oder Wellness. Sie wohnten in einer Almhütte, mitten auf der Piste, die Hütte war nur mit einen Holzofen zu beheizen und es gab nur Brunnenwasser. Wollten sich die Burschen und Mädels waschen, dann eben mit kaltem Wasser und in der Früh waren die Bettdecken gefroren.

Ich denke, eine Woche lang ist das ja zu ertragen, vor allem wenn man 16 Jahre alt ist. Aber mit 50 und ein Jahr lang? Muss nicht sein.

Folgendes wird aus diesem Grunde für Wärme sorgen:

Warmwasserboiler

Heizstrahler

Petroleumofen

Schlafsäcke

Extradicke Socken

und ganz wichtig Shaun das Wärmeflaschen-Schaf. Hab ich zu Weihnachten bekommen. Ist es nicht süß?

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