Maha Nandas Motor läuft wie Glöckerl, das wissen wir jetzt. Aber die wirklich spannende Frage lautete eigentlich: Wie segelt sie sich? Denn ganz unter uns: Maha Nanda ist ja in Wahrheit ein Segelschiff und was sie vor allem können muss ist, sich ohne Motor fortzubewegen. Übrigens hat Captain Christoph auch den Motorbootschein, wenn er den auch eigentlich eher zufällig gemacht hat. Bei der Fb2-Prüfung war er nämlich in seiner Euphorie – oder war es eher seiner Nervosität geschuldet? – bei den Prüfungsfragen für den Motorbootschein nicht zu bremsen gewesen, hatte ganz einfach nach den Seiten für den Fb2 nahtlos die Motorfragen weiter beantwortet und alles bis zur allerletzten Seite abgearbeitet. Zufällligerweise war auch alles richtig. (Natürlich war es kein Zufall, immerhin behauptet dieser Mann bei technischen Arbeiten gerne, es sei alles logisch. Logisch??? Ein Dieselmotor???) Wie dem auch sei, Motorbootfahren darf Captain Christoph seitdem auch ganz offiziell – aber Segeln ist seine wahre Leidenschaft.

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In der Schleuse von Stavoren

Am Weg von Stavoren nach Lemmer, Kurs Richtung Süden, wollten wir es dann wissen. Wind aus West mit 16 Knoten. Jetzt oder nie. Ein spannender Moment, zum ersten Mal erleben wir Maha Nanda unter Segeln, wie fühlt es sich an? Wie läuft sie unter Segeln? Wie liegt sie in den kurzen Ijsselmeer-Wellen? Und dann stellt der Captain den Motor ab. Stille. Es ist so weit. Maha Nandas Premiere mit Captain Christoph und Crew Ulli. Wir segeln. Und strahlen uns an. Ein surrealer Moment für uns beide. Und fantastisch. Unbeschreiblich.

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Wie nicht anders zu erwarten, läuft Maha Nanda unvergleichlich stabiler als die GFK-Jachten, mit denen wir bisher unterwegs waren. Fast könnte man sagen, wir waren gemütlich unterwegs, trotzdem der Wind etwas zunahm, aber für „gemütlich“ waren wir definitiv zu euphorisch. Jetzt war der Zeitpunkt für Sekt gekommen. Extra importiert aus dem Weinviertel. Wir haben auf Maha Nanda getrunken, auf das kommende spannende Jahr. Selbstverständlich haben wir auch Poseidon einen großen Schluck Weinviertler Winzersekt Rosé gegönnt und dabei ein bisschen gerätselt. Denn mit den niederländischen Göttern kennen wir uns nicht wirklich aus, also haben wir uns auf den nordischen Wettergott Thor geeinigt, das kann ja auch nicht ganz falsch sein, wenn er uns vor Stürmen verschont.

Steuern ist schön

Der Sekt hat übrigens auf Steuerfrau Ulli eine eindeutig belebende Wirkung ausgeübt. Nicht, dass Wind und Welle bedrohlich gewesen wären, aber mit ein bisschen Sektalkohol im Blut war das Steuern auf einmal ganz einfach und so schön. Hatte ich am Anfang ziemlich Mühe, das Schiff auf Kurs zu halten – wir hatten inzwischen den Kurs auf 90 Grad Richtung Osten geändert und segelten auf Vorwindkurs, was bei den kurzen Ijsselmeer-Wellen und Böen bis Windstärke sechs gar nicht so einfach zu halten war – schien jetzt alles wie ein Kinderspiel. Und auch Captain Christoph hatte nur beim Zusehen und Segelbeobachten viel, viel Freude und grinste von einem Ohr zum anderen. Nichts geht über einen kleinen gepflegten Damenspitz.

Weinviertel-DAC-Banausen

Jetzt muss ich zu unserer Verteidigung folgendes einfügen. Zum Einen trinken wir normalerweise nie auf See. Denn uns ist bewusst, dass wir an Bord Verantwortung für uns, unser Schiff aber auch gegenüber jenen haben, die unseren Kurs kreuzen. Besoffen oder mit permanentem Alkoholspiegel am Steuer zu stehen geht gar nicht. Zum Anderen sind wir eigentlich ein äußerst schlechtes Aushängeschild für unsere Heimat, das Weinviertel, weil wir ganz wenig Wein trinken und daher auch ganz wenig Alkohol vertragen. In einer Region, wo der Grüne Veltliner Kult ist und Wein-Rituale Teil des kulturellen Lebens sind, sind wir als Gelegentlich-ein-zwei-Achterl-Trinker mehr oder weniger eine Randgruppe. Bemitleidenswerte, ahnungslose, genussunfähige Gestalten, Banausen des Wissens um die großen DAC-Geheimnisse, Leugner der wahren, flüssigen, promillegeschwängerten Schönheit des Weinviertels.

Wie dem auch sei, standen wir an Bord unserer Maha Nanda, Wind und Welle genießend und nach zwei halben Gläsern Sekt um die Wette strahlend. Es war der perfekte Moment für uns.

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Kurz vor Lemmer, im Flachbereich, nahmen die Böen und auch die Wellen noch etwas zu, Captain Christoph übernahm wieder das Steuer und auch das Kommando (zweiteres hat er an Bord eigentlich immer über und das ist gut so) und steuerte uns in den Jachthafen von Lemmer. Auch die nächste Premiere, Anlegen mit dem Heck der alten Dame  voran, meisterte er trotz starkem Seitenwind souverän; das Handling ist natürlich im Detail noch Übungssache, denn die acht Tonnen müssen erst mal manövriert werden, da ist ein GFK-Boot schon um ein Vielfaches leichtgängiger. Andererseits beeindruckte Maha Nanda der Seitenwind deutlich weniger als ihre Kunststoffschwestern – wenn die Stahllady in Position ist, bleibt sie stur liegen. Auch unsere Stegnachbarn Ralf und Margit waren sehr erfreut über Christophs Hafenperformance, denn Ralf hatte seine Westwind vorsorglich auf der Steuerbordseite des Vorschiffes mit allen ihm zur Verfügung stehenden Fendern, sogar dem dicken Kugelfender, ausgepolstert. „Ich wusste ja nicht, wie Christoph anlegt und ich dachte mir, im Zweifel siegt Stahl über GFK“, sagte er lachend, als Maha Nanda festgemacht war und er die Sicherheitspolsterung wieder entfernte.

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Im alte Hafen von Stavoren
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4 Kommentare

  1. Da kommt das Seglerherz ins Flattern… Der Bericht über mein Lieblingssegelrevier Holland mit seinem erfrischendem IJsselmeer, dem Naturwunder Watt und den einladenden Kanälen zergeht wie Honig auf der Zunge; stimmt mich wehmütig! Macht unbedingt einen Abstecher nach Enkhuizen. Ein wunderbares Städtchen, das bei den vorherrschenden Westwinden in NL an der Luv-Küste des IJsselmeers und somit an der ruhigeren, weil ablandigen Küste liegt.

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