Schonungslose Offenheit ist die Maxime dieses Blogs und so soll dies kein Geheimnis bleiben: Der Captain und ich, wir sind China-Shop-Junkies. Portugal-Kenner wissen jetzt was ich meine, allen anderen sei erklärt. In diesem Land gibt es Geschäfte, geführt als chinesische Familienbetriebe, in denen du (fast) alles bekommst. Viel Klumpert, viel Hässliches aber auch viel unschlagbar Günstiges und für ein Vagabundenleben viel Brauchbares.

Die Geschäfte sind riesig, die Reihen so eng, dass man mit Einkaufssackerl fast nicht durchkommt und die Regale vollgestopft vom Fußboden bis auf zwei Meter Höhe. Zählen wir die vielen Stunden zusammen, die wir in allen von uns besuchten portugiesischen Orten in China-Shops verbracht haben – suchend, staunend, fassungslos, beglückt oder kopfschüttelnd – kommen wir vermutlich auf ganze Tage, verloren in den Tiefen des chinesischen Ramsch-Universums.

Allein durch die beiden Shops in Portimao, die ich in den sieben Wochen unseres unfreiwilligen Aufenthalts im Durchschnitt jeden zweiten Tag besucht habe, bin ich in Summe locker 48 Stunden gewandelt. Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, was um Himmels Willen wir denn alles gekauft haben, also nenne ich euch ein paar Beispiele:

Zweipolige Kabel in Meterware, einen Ölfilterschlüssel, Kunststoffstoppel für die Bilgebretter, Gummihandschuhe, Zeichenblocks, Vorratsdosen, Holz-Metall-Klebstoff, Weingläser, Polklemmen, Haken, Scharniere, eine Rohrzange, Fleckerlteppiche, eine Fliegenklatsche, eine batteriebetriebene Laterne, Handgriffe, Riegel, Lacke, Pinsel, Flip Flops, eine Sonnenbrille, Putzmittel, eine Lochsäge, Bohrer… Nichts von all diesen Dingen kostet mehr als drei Euro, das meiste nur ein paar Cent. Gestern, als wir durch Vila Real de Santo António spazierten, haben wir glücklicherweise wieder eines dieser Wundershops entdeckt und gleich gestürmt. Unsere neueste Errungenschaft: eine Klobürste und ein Absperrhahn für den Zulauf auf unserem Häusl (Hochdeutsch: Toilette).

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Wir sind natürlich nicht die einzigen Segler, die dem China-Shopping-Wahn verfallen sind. Alle unsere Freunde, die wir in Portimao kennengelernt haben, gingen in diesen Ramsch-Paradiesen ein und aus. Das Schöne ist, dass man jedes Mal Neues entdeckt, obwohl natürlich nicht alles, das entdeckt wird, Kaufrausch auslöst. Im Gegenteil: Meist fragen wir uns „Wer kauft das alles?“. Aber gut, „es gibt für ois Leit“ (Hochdeutsch: es gibt für alles Leute). Irgendwer wird bestimmt die plüschartigen grellrosa Schlafanzüge kaufen, die leuchtenden Plastik-Weihnachtsmänner, die goldfarbenen Buddhafiguren, die Hunde-Mäntelchen im Karo-Design und die Kübel voll überdimensionalen Plastikblumen.

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Wenn wir nicht gerade Ramsch-Geschäfte plündern, segeln wir (jetzt endlich wieder). Haben vor zwei Tagen in der Lagune von Faro geankert. Ein Ankerplatz, der wirklich zu empfehlen ist; super geschützt, kein Schwell.  Wir lagen zwischen Olhão, und der Ilha da Culatra und beobachteten beim Abendessen, wie der Mond über Maha Nandas Heck aufging und in unseren Salon hineinleuchtete. Ein perfekter Abend nach einem perfekten Segeltag, denn von Albufeira bis Faro hatten wir ebenso konstant guten Wind wie konstant wenig Welle. Bedingungen, wie wir sie im Hochsommer über Wochen an der gesamten portugiesischen Westküste nicht hatten. Am nächsten Tag ging’s mit dem T-Shirt-Segelwetter bis Vila Real de Santo António weiter. Wir konnten es fast nicht glauben. Sommerwetter im November! Der Unterschied zum echten Sommer liegt allerdings in der Sommerwetter-Dauer. Denn die Tage sind hier mittlerweile genauso kurz wie zu Hause in Österreich, bis die Sonne wirklich wärmt, dauert es einige Zeit und am Nachmittag wird’s auch schnell wieder frisch. Binnen einer Stunde wechselt’s von T-Shirt- auf Ölzeugsegelwetter.

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Zudem stellt sich ein uns allzu gut bekanntes Phänomen auch hier in Portugal wieder ein: Wir erreichen die Häfen und Ankerplätze grundsätzlich bei Ebbstrom. Hatten also folgerichtig sowohl bei der Einfahrt in die Lagune von Faro als auch in Vila Real, dessen Marina flussaufwärts liegt, die Strömung gegen uns. Was uns beide Male auf den letzten zwei Meilen zu Kriechgeschwindgkeits-Motoren gegen Wind und Strömung zwang, ein herber Speed-Rekord-Rückschlag nach solch wunderbaren Tagen unter Segeln.

Derzeit liegen wir in der Marina von Vila Real  – einer Stadt die im 18. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und binnen weniger Monate wieder aufgebaut worden war – und können von hier beinahe nach Spanien rüberspucken. Denn Vila Real liegt am Grenzfluss Guadiana, gegenüber sehen wir die spanische Stadt Ayamonte, zu der auch eine Fähre rübergeht.

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Theoretisch könnten wir auch mit dem Dinghi über die Grenze fahren aber praktisch ist das im Moment nicht empfehlenswert. Nordwind bis zu 40 Knoten lässt sogar am Fluss Schaumkronen tanzen und auf eine Dinghi-Dusche bei 17 Grad Wasser- und Lufttemperatur können wir bestens verzichten. Aber Wetterbesserung ist schon wieder in Sicht und mit dem nächsten guten Wetterfenster (im November werden die Fenster immer kleiner) wollen wir wieder ‚raus aufs Meer.

 

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