Menschen der Moderne mögen das Meer mehr als Menschen des Mittelalters. Das moderne Belgien zeigt sein wenig attraktives Gesicht, als wir entlang der Küste segeln und erklärt, warum Fahrtensegler auf Stopps in Belgien gerne verzichten. Auf dem schnurgeraden, gerade mal 67 Kilometer langen Nordsee-Küstenstreifen sehen wir vereinzelt Sanddünen, hauptsächlich aber lange Reihen von Einheitslook-Wohnblöcken. Eine Stadt reiht sich an der anderen und die Häuser wurden so konstruiert, dass möglichst viele Menschen von ihrem Wohnzimmer aus direkt aufs Meer sehen können.  So viele Belgier wollen mit Blick aufs Meer leben und es stimmt ja auch: Wie der Anblick vom Meer aus Richtung Wohnzimmer wirkt, ist zweitrangig.

DSC_0897

 

Und trotzdem ist Belgiens Küste einen Stopp wert. Zum Einen wegen der amüsanten Begegnungen, wie ich im letzten Blogpost geschrieben habe, zum Anderen, weil die schönste Stadt Belgiens – und nebenbei eine der schönsten, die wir jemals gesehen haben – nur zehn Zug-Minuten Richtung Landesinneren entfernt ist. Denn Brügge hat zwar Meerzugang (Zeebrugge) aber keinen Hafen, woran Sturmfluten und die Versandung der Nordseeküste schuld sind. (Überdies hatten die Menschen des Mittelalters wohl andere Ziele, als zu Tausenden in Glas-Beton-Containern mit Blick aufs Meer zu hausen.)

DSC_0844DSC_0858DSC_0818

Vom Bahnhof Blankenberge fährst du um fünf Euro nach Brügge und retour, fünf bestens investierte Euro. Wir überlegen, wie es wäre wenn keine Kriegsbombardements auch nur irgendeine europäische Stadt zerstört hätten; dann müssten wir nicht bis Belgien reisen, um dieses mittelalterliche Stadtzentrum in all seiner Pracht erleben zu dürfen. Mit welch architektonischem Detailverständnis diese Stadt gebaut wurde!

Wir sind sechs Stunden zu Fuß durch Brügge gewandelt – in jener Haltung, in der auch New-York-Touristen leicht als solche zu erkennen sind: mit Blick Richtung Häuserfassaden. Wieder – wie schon in Friesland erlebt – wirken die Gassen wie Potemkinsche Fassaden, als hätte sie ein Hollywood-Kulissenbauer nur für einen Mittelalter-Schinken entworfen – mit einem großen Unterschied: An den liebevollen Blumen- und Pflanzendekorationen, an den Details auf Fassaden und Simsen und am morbid-romantischen Verfall – den die Bewohner selbst wohl weniger romantisch als eher nervig bezeichnen werden – erkennt man, dass Brügge nicht Kunst und Kitsch sondern Architekturkunst und Alltagsleben ist.

 

Durch Brügge muss man sich treiben lassen – wer die Sehenswürdigkeiten mit Reiseführer und Straßenkarte abklappert, verpasst die besten Gässchen, Ecken und Plätze.

DSC_0872DSC_0873DSC_0870

Zum Glück ist die Altstadt so klein, dass sie an einem Tag bequem erwandert werden kann und zwischendurch tun wir, was man in Brügge tun muss. Bier trinken und Pommes und Schokolade essen. Muscheln und Waffeln würden die Big Five der Brügge-Kulinarik ergänzen, aber da machen wir uns keine Sorgen: Wir werden noch viele Hafenstädte finden, in denen man die world-best-mussels gegessen haben MUSS.

Unser Brügger Lieblings-Schoki-Design: Rusty-Tool-Chocolate. So schmecken in Belgien Hammer, Zange und Schraubenzieher.

DSC_0864

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: