Liegt Fernweh in den Genen oder ist es anerzogen? Ich glaube, es ist so wie mit dem Puppenspielen bei Mädchen und dem Baumhäuser-Bauen bei Buben: von beidem etwas. Mein Captain und ich haben jedenfalls dieses Fernweh-Gen und das bedeutet, wir würden gerne am Meer leben. Tun wir ja auch im nächsten Jahr, wenn auch nur für ein Jahr, aber andere Menschen sind glücklicher, deren Heimat ist das Meer (und ich meine nicht Freddy Quinn) oder zumindest die Küste. Die Niederländer zum Beispiel: Egal wo sie leben, sie haben es nicht weit zur Küste oder zu einem der vielen Binnengewässer und überall kann man segeln oder mit irgendeinem Schwimmkörper aufs Wasser hinaus.

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Auf eine Tasse Tee: Walter und Christoph

Wasser allüberall

500.000 Boote gibt es in Holland, sagt Walter Knopper und ungefähr die Hälfte davon in Friesland, wo jedes Kind segeln kann. Walter Knopper ist Jachtmakler in Lemmer, ihm gehört das One-Man-Makler-Unternehmen Lemmernautic und gemeinsam mit seiner Frau führt er außerdem einen Charterbetrieb. Ein Mann des Meeres. Dabei kommt er ursprünglich aus Utrecht, mitten im Grünen Herzen der Niederlanden, aber das ist egal, denn wie gesagt, Wasser allüberall in Holland. Die Seenplatte Loosdrechtse Plassen liegt in der Nähe von Utrecht, da gibt es wohl genug Möglichkeiten, Wasser zu erleben. „Segeln war immer schon mein Hobby“, sagt Walter. Profisegler ist er allerdings keiner. Er hat einfach aus seinem Hobby einen Beruf gemacht, aber sein ursprünglicher Beruf war Tennisspielen. „Ich war Profitennisspieler und ich habe auch in Österreich gespielt“, erzählt er uns Ösis. Seit 13 Jahren lebt Walter mit seiner Familie in Lemmer, hat hier ein Einfamilienhaus in der Altstadt und erklärt uns, die ihn mit gewissem Neid im Wasserloses-Weinviertel-Blick ansehen: „Von hier möchte ich nicht mehr weggehen.“

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Walter in Action – beim Segeln, Radfahren oder Tennisspielen

Wer „Segelsport in den Niederlanden“ sagt, kommt an Lemmer nicht vorbei, es ist das Wassersportzentrum des Landes und wer hier nicht das Meer liebt, ist selbst schuld. Familie Knopper ist das beste Beispiel: Walter und seine Frau arbeiten im Charterbetrieb, in der Freizeit wird gesegelt, wo immer es möglich ist, egal ob Mittelmeer oder Atlantik, die zwei Kinder sind selbstverständlich mit an Bord, nur die Jüngere liebt es gern auch ein bisschen rasanter: „Sie ist neun Jahre und hat jetzt das Speedbootfahren für sich entdeckt. Das kann sie schon richtig gut“, grinst der stolze Papa. Jetzt hat er eine Jolle für seine Kids gekauft, ein altes Teil, das er selbst saniert. „Viel Arbeit“, stöhnt er, aber insgeheim – so sieht er aus – renoviert er doch gerne.

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Plattbodenschiff

Überzeugungsgabe

Walter ist der unkomplizierteste Jachtmakler, den wir kennen. Gut, wir kennen nicht viele, aber es stimmt trotzdem. Wenn er nicht gerade mit dem Klapprad am Gelände unterwegs ist, sind wir bei ihm immer auf eine Tasse Kaffee willkommen. Sein Büro ist am Eingang zum Jachthaven Friese Hoek, schräg gegenüber dem Leuchturm. Egal wie ungemütlich der Wind pfeift, ob es stürmt oder in Strömen waagrecht von West nach Ost regnet, vom großen Holztisch in seinem Büro blickt man über die Kaffeetassen direkt auf den Kanal von Lemmer Richtung Ijsselmeer und immer, wirklich immer ist hier Schiffsverkehr. Warum auch nicht? Denn in der Friesenwelt ist das Thema Wetter schnell abgehandelt. Entweder du brauchst eine Jacke oder keine. Punkt.

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Blick von Walters Büro Richtung Ijsselmeer

Der unkomplizierte Walter ist übrigens auch schuld daran, dass wir Maha Nanda spontan gekauft haben. Denn so wie er das Verkaufsgespräch geführt hatte, war es die natürlichste Sache der Welt, kurz einmal  1300 Kilometer von Rabensburg nach Lemmer zu fahren sich fünf Schiffe anzusehen und das erste zu kaufen. Naja, Christoph hat zwei Jahre lang den gesamten europäischen Onlinemarkt durchforstet und virtuell kannte er jede in Frage kommende Stahljacht von Lemmer bis Swinemünde, von Cuxhaven bis Ravenna. In der Realität kam dann diese eine in Frage: Maha Nanda. Das hat auch Walter schnell erkannt. Er musste uns nicht lange überzeugen 😉

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Am Jachthaven Friese Hoek vorbei Richtung Schleuse von Lemmer
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5 Kommentare

      1. Was blieb einem ja auch Anderes uebrig, wenn man keinen (deutschen) Segelschein hatte, als in Holland segeln zu gehen. Zum Jollensegeln waren es die Loosdrechtse Plassen, zum Dickschiffsegeln die friesischen Seen und das Ijsselmeer. Und selbst spaeter, als ich (alle) Segelscheine hatte, war Holland immer noch das Ziel, weil man da so viel einfacher und an viel mehr Plaetzen ein Boot mieten konnte. Das hat sich erst geaendert, als ich meine eigene Jolle hatte. Obwohl: auch die hat zunaechst einmal fuer drei Jahre den Sommer ueber in Loosdrecht gelegen. Dahin waren es ja weniger als zwei Stunden ueber die Autobahn. Ja, das waren noch Zeiten! 😀

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      2. Eben!
        Da faellt mir noch eine Story ein. Als ich das erste Mal eine seetuecktige Yacht chartern wollte [bei Yachtcharter Stavoren, glaube ich], bin ich mit allen meinen Segelscheinen [zu dem Zeitpunkt hatte ich die noetigen] zur Boot nach Duesseldorf, zum Stand des Vercharterers, und habe ihn gefragt, vor Vertragsabschluss, welche Scheine er denn nun shene wolle. Die Antwort war, „Sie wissen doch, in den Niederlanden gibt es fuer Segelboote keine Fuehrerscheinpflicht. Wenn sie sich zutrauen, dieses Boot [es war eine 10,50 Meter Stahl-Knickspant-Ketsch] zu skippern, dann glauben wir ihnen, dass sie das koennen.“
        So geht’s auch!

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