Von tapferen Männern und kühnen Sprüngen in den Dünen

Die Normannen kennen keine Angst, das wissen wir seit Asterix. Muss wohl so sein, zumindest dürfte Jean de Béthencourt ein wahrer Abenteurer gewesen sein. Von der Normandie aus war er Anfang des 15. Jahrhunderts für die kastilische Krone mehrfach zu den Kanaren gesegelt, hatte erst Lanzarote, dann Fuerteventura und schließlich El Hierro unter kastilische Herrschaft gebracht.

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Die Steintore markieren die Gemeindegrenzen auf Fuerteventura
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Blick von Süden Richtung Betancuria

„Warum errichtet man hier in den Bergen, in dieser Ödnis, in dieser Einsamkeit die Hauptstadt einer Insel?“, fragen wir uns, als wir über die Serpentinenstraße in die Berge Fuerteventuras kurven und  an die rot-staubigen Hänge geklebt das kleine, weiße Städtchen Betancuria erblicken. Zwei Gründe sprachen 1404 dafür, die nach dem Eroberer benannte und von ihm gegründete Hauptstadt hierher zu setzen: Die Hügel waren fruchtbar und man war vor Piratenüberfällen besser als an der Küste geschützt.

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Betancurias Kirche

 

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Grüne Oase Betancuria im roten Staub Fuerteventuras
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Blick auf Betancuria
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Der Brunnen war bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Ein Esel wurde eingespannt…

Ja, in den Zeiten, als der Tourismus auf den Kanaren praktisch noch nicht existierte, lebten die Menschen – die Ureinwohner, die Guanchen, stammten übrigens von den nordafrikanischen Berbern ab – von der Landwirtschaft und die Inseln waren wesentlich grüner und fruchtbarer als heute. Das Klima hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, viel zu trockene Winter sorgen für katastrophale Missernten.

Auch der Winter 2019/2020 hatte bisher kaum Niederschläge gebracht und am 8. Jänner wurde eine Notstandserklärung herausgegeben. Das kanarische Wochenblatt schreibt, dass die Regierung plant, so rasch wie möglich Wasserspeicher und Entsalzungsanlagen zu erweitern.

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Bauerndorf in der Staubwüste Fuerteventuras.
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Dieser Berggipfel erinnert uns an irgendetwas….

Als wir einen Tag lang kreuz und quer durch Fuerteventura unterwegs sind, wird uns die Dringlichkeit klar. Noch nie haben wir eine derart staubige, trockene Landschaft gesehen. Rote und gelbe Erde und Sand soweit das Auge reicht. Wir googeln mal schnell: Zwischen 400 und 2400 Liter Wasser verbraucht ein Tourist pro Tag!!! Das darf doch nicht wahr sein, welch Verschwendung. Dass es auch anders geht, können wir – die Salzwasserseebären – aus eigener Erfahrung bestätigen. Mit unserem 100-Liter-Tank kommen wir mehrere Tage aus… und stinken trotzdem selten 😉

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Einsame Tage am kilometerlangen Strand von Corralejo.
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Links im Bild: Lanzarote und Isla los Lobos.
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Am Weg zum Atlantik.
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Der schönste Strand, den wir jemals sahen

Im Nordosten Fuerteventuras staunen wir gleich nochmals! So einen Strand haben wir noch nie gesehen. Sanddünen so weit das Auge reicht Richtung Westen und Sanddünen, die vom Atlantik begrenzt werden, im Osten. Fast keine Menschen sind hier unterwegs, während wir die Dünen rauf- und runterwandern, -springen und -rollen, fühlen wir uns, als wären wir allein in dieser Wüste am Meer. 

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Sandengel
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Jumping for joy in Corralejo.

Entstanden sind diese hellgelben Sandhügel aus Muschelschalen und Schneckengehäusen, Millionen Jahre lang vom Wasser zerrieben. Falls ihr jetzt Lust bekommt und Corralejo besuchen wollt, seid gewarnt: So wie auf unseren Fotos wird es hier nicht aussehen. Nein wir haben nix getrickst! Aber es handelt sich schlicht und einfach um Wanderdünen und wie ihr Name schon sagt, bleiben die Dinger nicht lange an der gleichen Stelle. Wo genau die schönsten sind, müsst ihr einfach selbst herausfinden – oder unsere Fotos genießen.

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Einsamer Wanderer: der Captain in den Dünen von Corralejo.

Für jene, die unseren aktuellen Standort nic.ht am Radar haben: Unsere Maha Nanda liegt derzeit im kleinen Hafen Morro Jable an der Südseite Fuerteventuras. Ein Ort mit vielen Facetten. Der Hafen ist… sagen wir mal rustikal. Ein bisschen vergammelt, dafür gibt’s hier auch keinen Segeltourismus und keine Hafenlokale mit täglichem Remmidemmi. Das Beste an diesem Hafen ist aber der Vigilante. Bei unserer Ankunft reagierte – wieder mal – keiner am Funkkanal 9, wir suchten uns halt irgendeinen Platz, dann suchten wir den Hafenkapitän. Eine Dreiviertelstunde lang. Dahin und dorthin wurden wir geschickt, schließlich wieder dorthin und dahin. Bis wir endlich den für die Formalitäten Zuständigen fanden – einen äußerst freundlichen Uniformierten, den wir aus seiner Wohnung rausklopften und der offensichtlich lieber zu Abend essen, als Formulare ausfüllen wollte -, war die Sonne untergegangen. Wir sollen ein andermal kommen, mañana. Drei Tage haben wir vergeblich versucht, den jungen Mann mit der sehr entspannten Arbeitsmoral ein weiteres Mal aufzustöbern. Na gut, vielleicht legen wir demnächst wieder ab. Ohne jemals offiziell hier gewesen zu sein. Don’t worry, be happy.

Das Zentrum des kleinen ehemaligen Fischerdorfes Morro Jable ist nicht weit vom Hafen entfernt, nur den Hügel rauf und dann runter Richtung Meer; hier gibt’s wiederum ein paar richtig nette Lokale und vor allem – einen tollen Strand mit… Tada! Sanddünen. „Ein, zwei, drei – Abheben!“, schreit der Captain.

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Jumping for joy in Morro Jable.
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Der höchste Leuchtturm der Kanaren steht auf Fuerteventura.
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Der Strand von Morro Jable

Weiter rauf Richtung Norden, wo der höchste Leuchtturm der Kanaren steht, wird’s dann schiach (unsere persönliche Meinung). Riesige Hotelburgen und eine endlose, moderne Shopping-Vergnügungsmeile lassen uns so schnell wir können flüchten. Nein, wir bevorzugen die einsame, die erdig-staubig-sandige Seite Fuerteventuras.

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Fuerteventuras Hügel im Abendlicht
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Sonnenuntergang bei El Pared
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Um 18 Uhr leuchten die Berge rot.

Wir waren bei unserem Road-Trip jedenfalls restlos verzaubert – und zum Ende des Tages noch ein bisschen mehr. Das Licht, das Licht! Das Sonnenuntergangsfoto bei El Pared ist ohne Filter online gestellt. Einfach echte Farben, einfach unglaublich.

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El Pared im schönsten Moment des Tages.

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