Blick in die Höllen-Küche des Teufels

Um neun Uhr abends öffnete sich plötzlich die Erde, ein gewaltiger Berg, aus dessen Gipfel Flammen schossen, bildete sich. 19 Tage lang brannten sie und wenige Tage später brach ein neuer Schlund auf und der Lavastrom ergoss sich über Timanfaya.

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Wo das Dorf Timanfaya war, ist heute Lava-Wüste. Im Hintergrund der Atlantik.
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Timanfaya ist heute Nationalpark.

Das ist der Beginn des Berichts eines Augenzeugen, der die heftigsten Vulkanausbrüche Lanzarotes in neuer Zeit schildert. Andrés Lorenzo Curbelo war Pfarrer von Yaiza, jenem Ort, der wie viele andere binnen jener sechs Jahre von 1730 bis 1736, die von einer Kette von Eruptionen gezeichnet waren, völlig zerstört worden waren.

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„Die Lava floss nach Norden, anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig. Doch am 7. September stieg mit unheilvollem Donnern ein riesiger Fels aus der Tiefe und zwang die Lava dazu, ihren Fluss nach Westen und Nordwesten zu wenden. Dort zerstörte sie die Orte Maretas und Santa Catalina. Am 11. September erneuerte sich die Gewalt der Lava. Sie bedeckte und verbrannte das Dorf Mazo und stürzte danach acht Tage lang als feuriger Katarakt unter furchtbarem Tosen ins Meer, so dass tote Fische in riesigen Mengen an der Oberfläche schwammen oder ans Ufer geworfen wurden.“

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Des Pfarrers Chronik führt weiter die vielen Tage an, an denen neue Eruptionen weitere Dörfer zerstörten, Inseln im Meer entstehen und wieder verschwinden ließen und giftige Dämpfe die Tiere auf den Weiden töteten. Im Dezember 1731 endet die Chronik, vermutlich, weil der Pfarrer wie viele andere Inselbewohner nach Gran Canaria flüchten musste.

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„Am 25. Dezember fühlte man das stärkste aller Erdbeben, und am 28. Dezember schoss ein Lavastrom aus einem neu entstandenen Kegel, zerstörte ein weiteres Dorf und eine Kapelle bei Yaiza …“

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Das Magma direkt unter der Erdoberfläche erhitzt da Wasser am Islote de Hilario in Lanzarote.

Noch fünf Jahre dauerten die Eruptionen an, dann kehrte für 100 Jahre Ruhe ein, 1824 wurde der bisher letzte Vulkanausbruch auf Lanzarote verzeichnet. Und noch immer brodelt die Erde unter der erstarrten Oberfläche. Beim „Islote de Hilario“ beträgt die Temperatur einen Meter unter der Erde 250 Grad und nur zwei Meter tiefer 400 Grad. Wasser, das in eine versenkte Röhre gegossen wird, schießt wie ein Geysir an die Oberfläche. Die Besucher des Nationalparks können zudem beobachten, wie trockenes Gebüsch zu brennen beginnt, wirft man es in ein drei Meter tiefes Erdloch. Blickt man hier hinunter, fällt es nicht schwer, sich den Teufel höchstpersönlich an seinem Feuer im Höllenloch vorzustellen. Auch ja, El Diablo heißt auch das Restaurant nebenan, dessen Koch beim Brennmaterial spart. Er grillt die Steaks in einem heißen Erdloch. Stimmt: Die Landschaft sieht aus, als wäre Grillkohle auf fast 200 Quadratkilometern verteilt worden. Überhaupt wirkt sie unwirklich, irgendwie gruselig. Die nicht allzuferne Naturkatastrophe ist angesichts der riesigen Flächen von erkalteter Lava leicht vorstellbar.

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Monañas de Fuego auf Lanzarote

Das Wort „Lava_Meer“ kommt uns in den Sinn, wenn wir die Gesteinsformationen betrachten, die sich wie Wellen über die Ebene legen, unterbrochen von großen Brocken, den Lava-Bomben, die wie brechende Wellenkämme aufragen.

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Wir wandern schließlich durch das Gebiet, in dem die verheerenden Eruptionen im September 1730 begonnen hatten, steigen in den Krater des Caldera de los Cuervos, jenes ersten Vulkans, dessen Entstehung Andrés Lorenzo Curbelo in jenem Moment des Entsetzens beschrieben hatte, und versuchen, diese Situation zu begreifen. Vier Jahre zuvor hatte die Erde gebebt und laut gegrollt, bevor sie sich am 1. September 1730 plötzlich wie ein Reißverschluss öffnete. Die Menschen hatten jahrelang keine Ahnung, welche Katastrophe sich über sie zusammenbraute. Dieser heiße, schwarze Dampf, dieser Asche- und Gesteinsregen, diese feurigen Fontänen, das unaufhörliche, unendlich laute Donnern der Erde, die rot-glühenden Lava-Ströme, die sich über die Dörfer wälzten, sterbende Menschen und Tiere….

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Im Krater des Vulkans Caldera de los Cuervos.

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Bei unserer Wanderung rund um den Caldera de los Cuervos erfahren wir auch über die Info-Tafeln, dass die gesamte Fläche, die in jenen sechs Jahren von Lava bedeckt worden war, heute unter Naturschutz steht. Lange Zeit waren die pyroklastischen Gesteinsbrocken für die Bauindustrie verwendet oder Souvenirs verkauft worden. Heute steht die Erhaltung der geologischen Besonderheit des Ortes im Vordergrund.

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Gefährlich sind die Vulkane selbst übrigens nicht, die Kegel selbst gelten als nicht mehr aktiv. Allerdings ist die gesamte Region aktive Vulkanlandschaft, die Risse in der Erdoberfläche werden irgendwann wieder auftreten und zu den derzeit 110 Vulkankegeln werden neue dazukommen. Wann es soweit ist? Ist natürlich nicht vorhersehbar. Aber die Insel steht unter wissenschaftlicher Beobachtung und die Experten beruhigen: Derzeit alles friedlich unter den Feuerbergen, den Montañas de Fuego.

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