Des Captains Traum vom ausschweifenden Leben

Der Captain an meiner Seite träumt gerade von einem ausschweifenden Künstlerdasein und überlegt fieberhaft, wie er wohl seine beiden Passionen, die Malerei und die Segelei, optimal miteinander verknüpfen könnte, um einem freien Leben abseits des Normalo-Pendlerdaseins, das er jahrelang führen musste, zu frönen. Auslöser seines Tagtraumes war ein Besuch  der Fundación César Manrique, einer Stiftung, die der gleichnamige Künstler auf Lanzarote ins Leben gerufen hatte.

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Fundación César Manrique in Tahiche, Lanzarote
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Überall auf der Insel findet man Skulpturen Manriques

 

 

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César CManrique liebte das Leben und seine Insel.
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César Manrique

Hedonismus ist die Stimmung, die uns in all den Bildern und Fotos seines Lebens entgegenspringt. Der Künstler in seinen außergewöhnlichen Wohnräumen inmitten von Lava-Blasen, umgeben von Party-Girls und Freunden, am Strand, auf Festen, halbnackt mitten in der Vulkanlandschaft – Schwermut schien Manrique nicht zu kennen, die Bilder strotzen vor Lebensfreude. Und schon versinkt der Künstler an meiner Seite in detaillierten Planungen seines zukünftigen Lebens an Bord von Maha Nanda, seines Lebens für die Kunst.

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Christophs Skizze 275. Das alles muss irgendwann auf großformatige Leinwand gespachtelt werden. Der Künstler hat noch viel vor…

Manriques ehemaliges Wohnhaus ist heute als Museum für Besucher offen. Kaum zu glauben, aber der Künstler hatte den Platz durch Zufall entdeckt. Eine grüne Palme, die inmitten der Lava-Landschaft – 1730 durch etliche Vulkanausbrüche entstanden – aus dem Gestein emporwuchs, fesselte seine Aufmerksamkeit. Hier würde er sein Haus bauen, beschloss er Ende der 1960er-Jahre. Das Grundstück, das als wertlos galt, bekam er quasi geschenkt und beim Bau seines Heims entdeckte er fünf unterirdische Lava-Blasen, die er in die Architektur integrierte. So entstanden steinerne Wohnräume mit Lichtkuppeln, denen Palmen entgegenstreben. Die Verbindung von natürlichen Gesteinsformationen mit Möbeln und schrillen, bunten Elementen der 60er-Jahre sowie der unter dem Lava-Strom liegenden Gartenanlage mit Kakteen und Pool ist einzigartig und inspirierend. Wir sind schwer beeindruckt.

 

César Manrique wurde 1919 in Arrecife geboren, studierte an der Kunstakademie in Madrid und später in New York und war in seiner künstlerischen Arbeit stark von Picasso, später von Pollock und Warhol, beeinflusst. 1966 ließ er sich erneut auf seiner Heimatinsel nieder und trug als Architekt und Bildhauer maßgeblich zu deren heutigem architektonischen Erscheinungsbild bei. Zahlreiche Skulpturen, der Kaktusgarten, der Mirador del Río und viele andere von ihm gestaltete Orte prägen den Charakter Lanzarotes.

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Mosaik in Manriques Garten.
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Der Lava-Strom scheint in das Wohnzimmer zu fließen

Seine architektonisch größte Errungenschaft waren jedoch seine erfolgreichen Bemühungen, die ursprüngliche Inselarchitektur zu erhalten und trotz des aufkommenden Massentourismus auf den Kanaren den Wildwuchs von Hotelbettenburgen zu verhindern. Er schuf den Begriff der totalen Kunst, die Bilder, Skulpturen und Baukunst in den Naturraum einbettet, und seinem umfassenden Engagement ist es auch zu verdanken, dass die gesamte Insel Lanzarote 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt wurde.

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Teguise, die alte Hauptstadt Lanzarotes

Manrique veröffentlichte 1974 ein Buch, in dem er verschiedene Typen der Volksbaukunst Lanzarotes in Katalogform darstellte. In Teguise, der ehemaligen Hauptstadt der Insel, im Landesinneren unterhalb eines Vulkankegels, auf dem eine Festung thront, gelegen, ist die alte Architektur besonders schön erhalten. Während der Großteil der Küstenorte aus endlosen Reihen von Touristen-Residencias und Vergnügungsmeilen besteht, ist hier noch etwas vom Inselleben vor der Massentourismus-Ära spürbar. Nein, die alten Zeiten lassen sich nicht konservieren – und wer möchte wirklich wie im 18. Jahrhundert leben? – aber mentale Zeitreisen in die Vergangenheit üben schon eine gewisse Faszination aus.

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In der Altstadt von Teguise, Lanzarote

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4 Kommentare

  1. Hallo Ihe Lieben,
    dieser Artikel hier bringt mich wieder zu einer Frage, die mir schon seit Langem auf der Seele liegt: kann man Christophs Bilder auch kaeuflich erwerben? Und wenn ja, wuerdet Ihr ein Bild auch in die USA schicken, und zwar so gut verpackt, dass es heil hier ankommt? Darueber sollten wir mal reden. Muss aber nicht jetzt sein.
    Liebe Gruesse,
    Pit
    P.S.: Zwei Bilder von Susannne Haun [https://susannehaun.com/], eine Kuenstlerin und Bloggerin aus Berlin haengen hier bei uns schon an der Wand.

    Liken

  2. Das koennen wir mal besprechen, wenn Ihr wieder zurueck seid. Es eilt ja nicht. Mary werden uebrigens im August auch mal ganz kurz Oesterreich streifen, aber nicht in Eurer Gegend. Wir haben 3 Uebernachtungen in Ehrwald gebucht, um u.A. auf die Zugspitze zu fahren.

    Gefällt 1 Person

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