Die Elemente haben sich gegen Maha Nanda und ihre Crew verschworen. Kurze Statusmeldung für alle, die uns längst in A Coruna wähnen: Nein, wir sind noch immer nicht dort. Derzeit liegen wirkungefähr 50 Meilen östlich davon in Puerto Viveiro, was definitiv nicht Plan A ist.

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Hauptplatz von Viveiro, Nordspanien

Aber wenn sich wie gesagt die Elemente gegen dich wenden, muss Plan B her und der lautet. Der nächstbeste Hafen wird angelaufen. Das Wetter macht uns seit Längerem einen Strich durch die Rechnung und es wäre jetzt an der Zeit, lieber Wettergott, dass du mal alles richtig machst! Richtig in unserem Sinne. Denn der Captain, der ausgeglichenste Ehemann von allen, hat eine kleine Schwäche. Na gut, vielleicht hat er mehrere kleinen Schwächen, die die diskreteste Ehefrau von allen hier aber nicht ausbreiten wird. Nur zu dieser einen: er leidet bei falschem Wetter. Leider ist das Wetter fast immer falsch: zu kalt, zu windig, zu bewölkt…. Beim Segeln erweitert sich die Liste um: zu viel Wind, zu wenig Wind, gar kein Wind, Wind aus der falschen Richtung, zu viel Welle, Welle aus der falschen Richtung – und viele, viele Detailnuancen.

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Da war noch alles gut…. bis der Wind erneut drehte…

Mittlerweile muss ich, die stoischte Wetterannehmerin von allen, ihm leider beipflichten. Seit der Biscaya passt’s einfach nicht. Erst hatten wir ewig Flaute, dann zu wenig Wind, dann Wind gegenan. In Ribadeo warteten wir ein Tief ab, das bis 40 Knoten Wind aus West gebracht hatte – sinnlos unter diesen Umständen Richtung Westen zu segeln. Danach hätte der Wind auf Nordwest drehen sollen, was er leider nicht tat, stattdessen steigerte er sich auf sieben Beaufort und bestand darauf, weiter auf West zu blasen, dazu schickte er meterhohe Dünung aus ebendieser Richtung, sodass wir genervt nach einigen Stunden gegen die Elemente motoren abbrachen.

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An dem Dicken haben wir festgemacht, zum Glück legte er nicht im Morgengrauen ab.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel mit kleiner Variante: die Welle wurde höher. Das Kap Punta da Estaca de Bares ist bei bei 35 Knoten Wind und sechs Meter Dünung direkt auf die Nase, unlustig zu besegeln, und mit einem Gewitter gefolgt von 20 Regenschauern binnen zehn Stunden wurde es nicht gerade lustiger, weswegen es uns eben hierher nach Puerto Viviera verschlagen hat. Interessanterweise treffen wir in den Häfen seit Gifjon immer wieder auf die gleichen Boote, denn alle, die nach A Coruna wollen, ereilt das gleiche Schicksal und wer nicht unter Zeitdruck segelt, lässt es in diesen Tagen bleiben.

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Die ungeplanten Pausen bringen uns jedoch an Orte, die wir laut Plan A nie gesehen hätten, Orte abseits der klassischen Segelrouten. So steuerten wir zum Beispiel Puerto Burela an, einen der größten Fischerhäfen der galizischen Küste. Yachten liegen in dem Industriehafen so gut wie keine, dafür aber so viele Fischerboote wie wir selten noch gesehen hatten. Wir machten längsseits an einem Trawler fest und hatten somit eine friedliche, von Wind und Welle geschützte Nacht.

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„90 Fischerboote liefen hier täglich aus, als ich noch beruflich aktiv war“, erzählte uns ein pensionierter Fischer. Heute sind es nur mehr drei pro Tag – die Fangquoten und die immer gering werdende Anzahl an Fischen seien Schuld, meint er. „Hier in Burela und in A Coruna gab’s vor 40 Jahren die besten Fischgründe. Aber heute…“ Dann erzählt der Alte stolz von seinen vier Söhnen und zehn Enkelkindern, aber „Keiner von ihnen ist Fischer und das ist auch gut so, die guten Zeiten sind vorbei.“

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Segelflicken: der Wind meinte es nicht gut mit uns

Hier in Viveiro schaut mittlerweile wieder die Sonne raus. Ein bisschen zumindest, aber sie gibt uns Hoffnung. So leicht sind wir nicht unterzukriegen, wäre doch gelacht, wenn wir das lächerliche Kap nicht bezwingen könnten.

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Viveiro bei Regen und Sonnenschein
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3 Kommentare

  1. Ich halte Euch die Daume fuer guenstigen Wind! Bloed, ganz bloed, wenn ereinem genau auf die Nase weht. Wie heisst es doch so schoen, „Nur Regattasegler und Idioten bolzen gegenan.“ 😉 Ergaenzung: Chartersegler auch, wenn der Charterzeitraum abzulaufen droht. 😉

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  2. Begleite euch mal wieder auf eure Abenteuer Reise. Schoene Bilder Aufpassen – ich mag Schiffe Bin auf vielen „Tall boasts“ in Montreal gewesen – habe noch viele Bilder – auch auf der “ Bounty“ gestanden die dann eines Tages im Hurrican Sandy 2013 leider unterging.
    Gruesse euch Karlheinz

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