Wie man es auch dreht und wendet, eine Dosis Punk gehört zum Brit Style dazu. Am besten à la Vivienne Westwood, allerdings sieht man auf den englischen Straßen wenig Haute Couture. Die meisten Leute kleiden sich wie bei uns in Österreich: Sie ziehen irgendwas Praktisches an. Manche allerdings suchen ihre Sachen morgens im Finsteren aus ihrem Kleiderschrank raus – so zumindest wirkt ihr Erscheinungsbild, andere wieder haben vergessen, sich nach dem Workout umzuziehen oder gehen sonntags nach dem Rasenmähen und Autowaschen so wie sie sind auf ein Bier ins Pub.

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Christoph und mir macht es jedenfalls Spaß, Leute zu beobachten. Das kann man im Hafen besonders gut: Wir sitzen im Cockpit, trinken Gin Fizz, schauen… und schauen. Letztendlich hat doch jedes Land seine typische Mode und in England gibt’s zwei auffallende Brit-Style-Varianten: den versnobten Tory-Stil mit Faltenröcken, Kaschmir-Twinsets und maßgeschneiderten Anzügen und den Punk-Rock-Style. Die Isle of Wight ist jetzt nicht das Mekka der Mode, hier sieht man eher Segelurlauber aus der näheren Umgebung, die das mittlere Alter schon ein bisschen bis ein bisschen mehr überschritten haben und eher den – Ich-nehm-einfach-das-oberste-T-Shirt-aus-dem-Schrank-Stil bevorzugen, aber in den Städten ist das Leute-Schauen auf jeden Fall Unterhaltung pur. 

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Unser Lieblingspub in Dover, Biggin Street im Zentrum, war sozusagen die Front Row des lokalen Laufstegs, hier kam jeder, der in Dover lebt, arbeitet, zur Schule geht oder Sightseeing macht, vorbei. Da sahen wir punkigen Streetstyle, wie du ihn in Wien noch nie gesehen hast. Männer und Frauen kleiden sich wie sie wollen, nicht wie das Modediktat vorschreibt. Männer in karierten knöchellangen Hosen, bunten Hemden und kurzem Burberry, dazu die unvermeidlichen Doc Martens, Frauen mit weiß gefärbtem Haar, Wallekleid und Blumenhut (einige Jährchen älter als ich), Mädels im Supermini mit Springerstiefeln und tätowierten Beinen, bauchfrei, rückenfrei, kurz über lang, lang über kurz, Mustermix und Piercings… 

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Ich hab mich inspirieren lassen und die – meinem fortgeschrittenen Alter entsprechend – reduzierte Brit-Punk-Variante gewählt (obwohl altersentsprechend in England ein Fremdwort ist) und hab mich in meinen kürzesten Mini geschmissen, Mütze und lila Socken vom stylischten Ehemann von allen geklaut, meine Doc Martens hatte ich eh für alle Fälle im Schapp verstaut, dazu Nietengürtel und ein bissl mehr Schmuck als sonst und, ja – Tattoos sind Pflicht. Zum Glück hab ich meinen Personal Artist mit an Bord, der hat mir mit Begeisterung einen seebärigen Anker und einen Dancing Lobster verpasst. Den Hummer hat er schon vor etlichen Wochen mit Tusche zu Papier gebracht und ich geb’s zu, ich steh’ auf den Lobster. Wird mein neues Lieblingstier 😉

 

 

 

Gestern war das Styling dann um einiges schneller erledigt. Bikini-Time. Der erste Strandtag seit unserer Abreise vor zwei Monaten war angesagt, denn in England ist eine dreitägige Hitzewelle ausgebrochen, das Thermometer zeigte unglaubliche 26 Grad und die Bewohner der Isle of Wight stöhnen unter den unerträglichen Temperaturen. Kein Witz! Barkeeper und Hafenmeister jammern uns wegen des Wetters an und die Kassierin des Supermarktes trat vor die Tür, fächelte sich Luft zu, stöhnte „Oh my God, unbearable“ und verschwand wieder im klimatisierten Geschäft. Wir fanden’s super. Endlich Sommer! Geschwitzt haben wir nicht, obwohl wir eine Stunde bis zum Strand geradelt sind. Von dort haben wir das Race Around the Isle beobachtet, haben Ale getrunken, Eis gegessen und im Sand getanzt. Und ICH war tapfer im 14 Grad kalten Wasser. Bis zu den Knien, aber immerhin… der Captain hat nicht mal die große Zehe reingehängt. „Ich seh schon von da aus, dass es kalt ist“, meinte er aus 200 Metern Entfernung.

 

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9 Kommentare

  1. Ihr habt ja wirklich schoenes Wetter da. Aber nur 14Grad Wassertemperatur?! Da kann ich den Kaept’n verstehen – gut sogar. Da sind mir texanische Verhaeltnisse doch lieber. Als iwr neulich an der Kueste waren [https://wp.me/p4uPk8-1Qj], hatte das Wasser 30 Grad!

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  2. Sehr geile Tattoos 😉 Euch viele neue Abenteuer und immer eine Handbreit……, bei diesen Tiden und Strom im Kanal wird mir jetzt schon Angst und Bang. Viele liebe Grüße von Katja & Frank, Sailing Greece

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