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Nafplion

Ja, es ist wahr: Wir sind Griechenland-Fans. Wir lieben die Landschaft, die Inseln, die Städte und die Stimmung. Die ist ein bissl entspannter und unkomplizierter als bei uns in Österreich, es ist so… dereguliert. Manche Dinge funktionieren irgendwie – ohne Vorschrift, ohne Verordnung. Herrlich. Bei unserem Törn von Athen bis Lakonien hat sich unsere Liebe wieder mal verfestigt. Hier unser best of:

1. Nafplion

…wegen der freien Auswahl an Liegeplätzen und des Wahnsinns-Ausblicks auf die Burg. Nafplion war im 19. Jahrhundert für kurze Zeit Griechenlands Hauptstadt, direkt hinter dem Hafen baut sich ein Berg auf, auf dem die Festung Palamidi, von den Venezianern errichtet, thront. Was noch cool ist in Nafplion: Der Hafen ist gut geschützt und die Altstadt liegt einem quasi zu Füßen. Warum trotz Hochsaison so wenig los war, war uns ein Rätsel, aber uns soll’s recht sein. Wir haben die Stadt erkundet, waren zweimal bei der Festung. (Beim ersten Mal haben sie uns nur durchs Eingangstor und zehn Meter bis zu einer alten Steinmauer gehen lassen, weil wir fünf Minuten vor Ende der Öffnungszeit angkommen waren. Dabei waren wir extra mit unserem geliehenen 50-Kubik-Roller die steile Straße raufgekeucht.) Am nächsten Vormittag beim zweiten Versuch wurden wir dafür mit der atemberaubenden Aussicht belohnt.

Noch dazu ist auch Mykene nicht weit von Nafplion entfernt und der Weg sogar mit einem kleinen Roller zu bewältigen – wenn man nicht allzuviel Körpergewicht mit sich rumschleppt, sonst muss man möglicherweise die letzten Kilometer den Berg rauf schieben.

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2. Leonidi

…weil’s so überschaubar und entspannt ist und Elona nicht weit ist. In Leonidi haben wir fünfmal geankert – weils so schön war. Nein, stimmt nicht. Wir haben mit Hilfe von Schweden etliche Ankermanöver fahren müssen, weil das Miststück – also der Anker – nicht gehalten hat. Das mitfühlende Segler-Ehepaar war wirklich geduldig, aber wir mussten schließlich längsseits gehen, weil wir fünfmal nur Schlamm geackert haben. Dass es nicht an unserem Manöver sondern am defekten Anker lag, haben wir dann auch herausgefunden. Am letzten Tag unseres Törns…

Aber Leonidi ist so klein und fein, begrenzt von grünen Hügeln, ein paar weiß getünchte Häuser, drei Tavernen, eine Bäckerei und eine Bar. Was braucht man mehr fürs Seglerglück in Griechenland.? Unsere Idee, mit einem Roller zum nahen Kloster Elona zu fahren, haben wir verworfen. Zum Glück, denn die Taxifahrt erinnerte an die Fahrt zum Zion Nationalpark in Utah. Kurvig und steil, dazu rote Felsen, viel Landschaft und wenig Menschen. Ganz oben in einen Felsen gehauen klebt wie ein riesiges weißes Vogelnest ein Kloster im Hang. Die Mönche wirkten in ihrem schwarzen Talar und mit den Rauschebärten ein bisschen bedrohlich. Ist aber offenbar nur Optik, denn während wir andächtig durch den Klostergarten schlenderten und uns nur flüsternd zu unterhalten wagten, hörten wir die Mönche herzlich lachen und im Shop gab es nicht nur die typischen Ikonen sondern jede Menge Wein und anderes selbst gebrautes Hochprozentiges zu kaufen. In Wahrheit sind die gar nicht so spaßbefreit wie sie aussehen, die Mönche von Elona.

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Kloster Elona

 

3. Gerakas

…weil’s dort die besten Muscheln in Tomatensauce gibt und nur wenige den versteckten Hafen finden. Gerakas ist ein Kaff, aber ein liebenswertes. Hier gibt es Platz für zehn Jachten und drei Tavernen. Wie gesagt, man isst hier fantastisch. Darüber hinaus gibt es eine Lagune, in die der Fluss Limani mündet. Wir haben diese mit dem Dingi erobert, für Jachten ist es hier zu flach, und haben bei der Gelegenheit gleich ziemlich viel Seegras geernet. Mit dem Außenbord-Motor, natürlich unabsichtlich und mit schlechtem Gewissen. Das Dingi war überhaupt so eine Sache. Ziemlich klein, aber völlig ausreichend für uns zwei Leichtgewichte. Allerdings hab ich die Kleinheit dann doch ein bissl unterschätzt. Wir sind zu einer Höhle getuckert, die das Meer in das felsige Ufer gespült hat und dort bin ich wagemutig ins Wasser gesprungen. Christoph der Vorausschauende hat gemeint, er bleibt lieber an Bord – und das war eine kluge Entscheidung. Ich hab’s nämlich tatsächlich nicht geschafft, mich über die Schlauchboot-Bordwand wieder nach oben zu hieven. Nicht mal mit einer Schlaufe in der Leine als Steihilfe, auch nicht mit zugkräftiger Hilfe von Christoph. Als ich vor lauter Lachen schon Bauchweh hatte, gaben wir auf und mein Captain schleppte mich wie einen gestrandeten Wal zurück zur Jacht. War übrigens gar nicht so einfach, gegen mein Walgewicht zu lenken und das Schlauchboot auf Kurs zu halten. Behauptet er sehr uncharmant.

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Gerakas

4. Hydra

…wegen der einzigartigen Stimmung im Hafen und weil wir Leonard Cohen-Songs lieben. Hydra ist kein Geheimtipp, denn die Insel ist von Athen aus gut zu erreichen und bei Wochenendtouristen sehr beliebt. Aber trotz des Platzmangels im Hafen und trotz der täglichen Schnellfähren, die Menschen schwarmweise auskippen und am Abend wieder schlucken, ist sie einer unserer Lieblingsorte Griechenlands. Hier gibt es keine Autos, Haupttransportmittel sind Esel und Maultiere und am Abend, wenn die Schnellfähren-Schnelldurchlauf-Touristen die Insel verlassen haben, wird es richtig gemütlich in den Hafentavernen und Cafés. Der kanadische Sänger Leonhard Cohen hatte hier ein Haus und ich kann diese Insel nicht ansteuern ohne permanent meine Lieblingssongs zu summen. Für alle Leonhard Cohen-Fans, die jetzt neugierig geworden sind: 1. Take this Longing, 2. Famous Blue Raincoat, 3. Chelsea Hotel No# 2.

Zweimal haben wir Hydra einen Besuch abgestattet und beide Male hat Christoph bewiesen, dass er nicht nur manövertechnisch echt was drauf hat sondern auch beherzt Entscheidungen trifft, wenn ich noch zögere. Beim ersten Mal fuhren wir in den kleinen Hafen und etliche Jachten drehten ihre Kreise, kamen uns sogar mangels Liegeplatz wieder entgegen oder suchten eine Platz im Päckchen in der dritten Reihe. Wir waren eindeutig mit der kleinsten Jacht des Hafens unterwegs. Ein Vorteil, denn mein Captain, mit Adleraugen gesegnet, entdeckte zwischen Taxibooten und der letzten Jacht am Kai noch ein ganz schmales Lückerl, dort quetschten wir uns vorsichtig aber doch mit Überzeugung dazwischen und lagen perfekt am besten Platz des Hafens, gegenüber einer Taverne, neben uns die Maultiere. Moi! Süß!

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Beim zweiten Besuch drei Jahre später erwies sich die Situation als ähnlich und diesmal wählten wir einen Platz neben einem alten Frachtschiff, zu dem sich niemand anderer hingewagt hatte, und wieder lagen wir mitten im Zentrum in Tavernennähe bestens vertäut.

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Hydra

5. Monemvasia

…weil der wundersame Felsens das Erste war, was wir am Morgen sahen und das Letzte, wenn wir schlafen gingen. Als Christoph und ich unseren Törn planten und wir gemeinsam die Griechenland-Karte studierten, entdeckte ich, dass Monemvasia in unserer Reichweite lag. Ein Zufall, denn erst wenige Tage davor hatte mir ein Bekannter von der Schönheit dieses roten Felsens im Meer vorgeschwärmt, bis dato hatte ich noch nie davon gehört. (Danke lieber Bürgermeister Walter Krutis 😉 Oben am Felsen sieht man die Ruinen der byzantinischen Oberstadt, am Hang darunter kleben die kleinen historischen Häuser, viele saniert, zum Teil bewohnt, zum Teil zu Lokalen und Tavernen umgebaut. Zeitreise ins Mittelalter.

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Unterstadt von Monemvasia

Für uns fühlt sich Monemvasia wie eine Mischung aus Monument Valley  in Arizona und dem französischen Mont Saint Michel an. Kleiner Tipp für jene, die jetzt neugierig geworden sind und der Stadt einen Besuch abstatten wollen. Der Weg zur Oberstadt ist teilweise unbefestigt und sehr steil, es empfiehlt sich weder mit goldenen Riemchensandalen hinaufzuwandern, noch über Steine, Schotter und Schutt baruß wieder hinunterzubalancieren. Dazu muss ich ergänzen, dass ich eine tapfere, schmerzresistente Barfußgeherin bin. Im Gegensatz zu meinem Captatin, dessen zarten Füßchen nicht einmal die von Millionen Pilgern glattpolierten Tempelböden in Indien zuzumuten sind. Doch das ist wiederum eine andere Geschichte.

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