14 Klimazonen in drei Stunden: Gran-Canaria-Road-Trip

Vielleicht sollte ich mich in einem Tourismusbüro auf Gran Canaria bewerben. Als Auskunftsperson. Immerhin sind wir fast vier Tage hier und ich weiß schon einiges über die Insel. Auf jeden Fall mehr als die Dame im Tourist-Info-Office, die wir nach dem Bus zum Flughafen gefragt haben (No. 60). Bleibt auch bei der Marina stehen und dann noch dreimal und fährt 35 Minuten. Das alles konnte mir die junge Frau leider nicht sagen… aber ich sag es euch 😉

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Blick Richtung Osten, ganz im Hintergrund ist Fuerteventura zu sehen.

Und noch einiges mehr. Zum Beispiel dass man mit dem Bus von der Marina Las Palmas bis Tejeda dreieinhalb Stunden (mit zweimal Umsteigen) fährt. Sind zwar nur 50 Kilometer, aber die letzten 30 haben es in sich. Gran Canaria ist ziemlich gebirgig und ziemlich schluchtig und die Serpentinen schlängeln sich mal auf der einen Seite der Schlucht rauf, dann auf der anderen Seite runter. Der Ausblick von den Pässen ist so sensationell, dass man gar nicht mehr mit dem Fotografieren aufhören kann. Jede Ecke ist anders und immer wieder faszinierend.

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Blick Richtung Nordwesten, ganz im Hintergrund Teneriffa.

Richtung Osten sieht man den kleinen Kegel von Fuerteventura und Richtung Nordwesten – riesengroß – Teneriffa. Durch die Höhe der Berge (über 3000 Meter) wirkt es, als wäre Teneriffa nur zwei, drei Meilen von Gran Canaria entfernt, in Wirklichkeit sind es 30 Meilen. Die Schattierung der Felsformationen ist atemberaubend und die Felsenlandschaft einzigartig. 

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Roque Nublo, Gran Canaria

Der Roque Nublo sticht besonders ins Auge. Er ist der Pfropfen eines ehemals 3000 Meter hohen Vulkans, der sich durch Erosion verflacht hat. Aber das Gestein, das den Krater verschloss, ist übriggeblieben und ragt 1813 Meter über dem Meeresspiegel in die Höhe.

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Blick Richtung Las Palmas, da unten im Puerto de la Luz liegt irgendwo Maha Nanda.

Dazwischen erstrecken sich etliche Klimazonen, denn Gran Canaria hat 14 davon! Von Wüste im Süden  bis Kiefernwälder im Norden findet sich hier alles, außerdem gibt es Lorbeerwälder und Kastanien. Zwar haben die Spanier zu Beginn der Kolonisation die Wälder kräftig abgeholzt, aber ein großer Teil ist zum Glück erhalten geblieben. Zeitweise fühlt man sich fast wie im Urwald. Kein Wunder, fast die gesamte Insel war einst von Urwald bewachsen. Warum so viel Grün auf einer so niederschlagsarmen Insel gedeiht? Die Passatwolke ist schuld daran. Hä, was für eine Wolke?

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Der Nordostpassat weht hier das ganze Jahr über ziemlich beständig (wenn nicht gerade der Ostwind Calima Saharasand anliefert) und in den hohen Inselregionen bleiben die Wolken, die er zeitweise mit sich bringt, hängen. Auch wenn es wie gesagt selten regnet, sorgt doch der Nebel für ausreichend Feuchtigkeit und macht Gran Canarias Hänge so grün, dass man mancherorts meinen könnte, in den Tropen gelandet zu sein.

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Die kleinen rosa Wölkchen in den grünen Hängen sind Mandelbäume.

Was sind denn das für rosa Wolken in den dunkelgrünen Hängen? Sie sind der Grund, warum wir Tejeda in der Mitte der Insel besucht haben. Die Mandelbäume blühen gerade und der kleine Ort lädt zum Mandelblütenfest, zur Fiesta Almendra en Flor. Das lassen wir uns nicht entgehen, das Bergdorf ist aber auch zu hübsch! Weiß getünchte Häuser in der grünen Hügellandschaft und im Hintergrund  – egal von welcher Seite ich schaue – ist immer der Roque Nublo am Foto drauf.

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Weinviertelfeeling: Fast wie in der Kellergasse von Falkenstein.

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Das Fest selbst ist so, wie ein Fest sein muss. Mit viel Musik und viel Schlemmerei. Erinnert uns irgendwie an die Weinviertler Kellergassenfeste. Statt böhmischer Blasmusik gibt’s kanarische Volkslieder und statt Blunzen und Grünem Veltliner genießt man papas arrugadas con mojo rojo und Mandellikör. Aber hinter den offenen Toren in den Höfen sitzen die Bauern genauso gemütlich beisammen wie unsere Winzer in den Presshäusern und gegenüber reihen sich – ebenso wie bei unseren Kellerfesten – die Standeln, an denen lokales Kunsthandwerk und Verkostungen angeboten werden, aneinander.

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Tejeda ist von allen Seiten schön.

Gefeiert wird auf der ganzen Welt gleich – das stellen wir wieder mal fest. Das ist eben die beste Methode gegen fremdeln und blöde Vorurteile. Bei Musi’ und gutem Essen kommen die Leut’ zsamm.

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Mampf… die papas schmecken vorzüglich…mampf
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Mandelblütenfest – ach wie schön!

Kurze Erklärung zu den oben genannten „papas“: Das sind „verschrumpelte Kartoffeln“. Kleine Erdäpfel werden in Meerwasser gekocht und sieden dann ohne Deckel fertig, dadurch bekommen sie eine Salzkruste. Ist eine kanarische Spezialität. Dazu gibt es rote oder grüne Soße (Mojo), wir habe die „rojo“ gewählt – mit viel Paprika und Knoblauch. Ein kulinarisches Gedicht! Zum Dessert gab es – natürlich – Mandelkuchen. Hach, geht es uns gut!

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In der Alttstadt der Ortschaft Teror ist die typisch-kanarische Architektur noch gut erhalten
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Spaziergang durch Teror, Gran Canaria

3 Kommentare

    1. Das wird sich leider nicht ausgehen, aber du kannst für die Wiener Neustädter Ausgabe gerne meine Kanaren-Recherchen über den Kiefernwald verwenden 🙂 🙂
      Aber zur Wasserzeitung bin ich rechtzeitig wieder da und – was soll ich sagen – nach einem Jahr harten Recherchen am Wasser bin ich DIE Spezialistin für dieses Thema 😉

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  1. Stellt euch mal vor, ich kenne „Papas“! Das Rezept hat mein Mann von seiner alljährlichen Radtour von La Palma mit gebracht. Mit einigem Glück radelt er heute wieder hin! 😉
    Viel Spaß noch im Mandelblütenparadies!

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