Ein Jahr ohne Job – oder: Warum ein Leben ohne Kunst sinnlos ist

Was ist euer Traumjob? Raumfahrer? Viel zu viel Physik. Tierärztin? Ich hielte die aufgedonnerten Frauchen im rosa Fummel, die ihren Pinscher ebenfalls in rosa Mäntelchen hüllen, nicht aus. Ärztin? Zu viel Blut und Leiden. Anwältin? Wenn man Streitgespräche und negative Emotionen liebt…

Tatsächlich ist mein Traumjob Journalismus, denn in welchem anderen Beruf kannst du so viele verschiedene Menschen und Themen kennenlernen? Ich interviewe manches Mal echt berühmte Menschen – zumindest weltberühmt in Österreich – und dann wieder völlig Unbekannte, die aber viel Interessantes zu sagen haben. Der beste Ehemann und Captain von allen sagt: „Das wird dir fehlen, wenn wir ein Jahr unterwegs sind.“ Ich sagte jedesmal mit Überzeugung „nein“, aber stimmt das auch?

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Gerade lösen wir uns von unserem Berufsalltag, der uns Jahre, jahrzehntelang begleitet hat. Christoph hat diese Woche im Spital gekündigt – ein Riesenschritt, zumal ja nicht der nächste Job in Aussicht ist. Es ist wie ein Schritt mit geschlossenen Augen, du gehst davon aus, dass du Boden unter den Füßen hast, aber du weißt es nicht sicher. Was wird als nächstes kommen? Jedenfalls nicht die nächste Arbeitswoche mit täglichem Weckerweckruf um 4.30 Uhr – ein Gedanke, der den Captain innerlich jubeln lässt. Der Mann an meiner Seite ist übrigens nicht arbeitsscheu, nur ist er eben kein Hackler. In Wahrheit wurde ihm die Künstlernatur in die Wiege gelegt – das kommt von den väterlichen Genen – und Künstler haben eine andere Lebenseinstellung. Nehmen wir meinen ebenfalls künstlerisch begabten Sohn: Die Vorstellung, ein ganzes Arbeitsleben lang im Büro zu sitzen, versetzt ihn in Panik. Die Worte Finanzmathematik, Bankwesen, Jus und Betriebswirtschaft lösen Grauen in ihm aus. Wenn er aber für einen Bandauftritt probt, können Stunden vergehen, der junge Mann zeigt keine Erschöpfungszustände – und vor Publikum blüht er auf, da wird er zum eloquenten Entertainer.

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Mein Captain, der Künstler, braucht Publikum nur in geringer Dosierung, aber seine Arbeitseinsätze in Sachen Kunst gestalten sich ähnlich intensiv, wie die seines Sohnes. Müsste der arme Mann nicht gelegentlich menschlichen Grundbedürfnissen nachgehen, würde er wohl durchgehend viele Tage und Nächte im Atelier verbringen und manisch ein Werk nach dem anderen schaffen, so lange, bis das ganze Atelier bis an die Decke mit Bildern gefüllt wäre – ähnlich der Kammer des Inkakönigs Atahualpa, die er für Pizarro bis oben hin mit Gold füllen ließ.

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Habt ihr schon einmal überlegt, warum Künstler nie in Pension gehen? Also ich habe zwei Antwortmöglichkeiten:

  1. Weil sie eh ihr ganzes Leben nie wirklich gearbeitet haben
  2. Weil für sie ein Leben ohne Kunst sinnlos wäre

Was unser Jahr auf Maha Nanda betrifft: Wir werden beide nicht arbeiten denn Christoph hat gekündigt und ich bin für 12 Monate freigestellt, aber dennoch werden wir arbeiten, denn: Ein Leben ohne Kunst ist für Christoph sinnlos, also arbeitet er gerade an seinem Plan, malender Segler zu werden. Zugegebenermaßen eine technische Herausforderung aber… man wird sehen. Und ich? Hab’s natürlich leichter, denn: Ein Leben ohne Schreiben ist für mich sinnlos und schreiben kann ich auf Maha Nanda genausogut wie überall auf der Welt.

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