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Sie schwimmt wie ein Fisch im Wasser, ist jetzt ein Schiff im Wasser – unsere Maha Nanda. Schon eigenartig, dass von Tausend Arbeiten, die anstehen, manche so unglaublich schnell gehen, für das Meiste brauchen wir aber ewig. So schnell konnten wir gar nicht schauen und schwupps, hatte Hafenmeister Erik die Jacht mit dem Traktor aus der Halle gezogen, gekrant und Minuten später schwamm sie – und sah sofort richtig aus. Denn das Wasser ist eben ihr Element, in der Halle wirkt sie eigentlich deplaziert. Zu hoch oben, zu groß, zu starr und trocken.

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Das Mastsetzen dauerte ebenfalls nur wenige Minuten, nicht mal eine Stunde. Na also, das geht ja ruckzuck. Die bittere Wahrheit ist: Das waren die zwei von den Tausend Arbeiten, die schnell gingen. Die restlichen 998…

Drei Techniker benötigten ungefähr zwei Stunden, bis sie die Starterbatterie für den nach langem Winterschlaf schwächelnden Motor fanden und diesen in Schwung brachten, davor hatten wir übrigens eine Stunde Lebenszeit verloren, bis wir den – bei Makler Walter gut versteckten – Motorschlüssel gefunden hatten, den einzigen von den gefühlten 187 auf Maha Nandas Schlüsselbund, den er uns nicht ausgehändigt hatte.

Ich schraube dann schnell mal…

Ein weiteres Highlight im Schneckentempo-Arbeitsprozess – es ist kaum zu glauben: das Tisch-Anschrauben. Christophs fröhliche Worte am Morgen: „Ich befestige noch schnell die vier Schrauben“, waren die katastrophale Fehleinschätzung des tatsächlichen Arbeitsaufwands der nun folgte. Zuerst fiel eine Schraubenmutter in den Hohlraum des Tischfußes und rutschte in die Bilge. Also musste die Tischplatte und danach die Bodenplatte, auf der der Fuß montiert ist, abgeschraubt werden. Die Bilge ist nass. „Das ist nicht viel, ein bisschen Regenwasser, das haben wir gleich“, meinte mein im seinem bisherigen Leben grundsätzlich pessimistischer, diesmal für einen kurzen Moment ausnahmsweise zuversichtlicher, Captain. Sein Optimismus war völlig deplaziert. Er begann die ersten „Tropfen“ Wasser mit einem Küchenschwamm aufzusaugen, ging zu einem großen Fetzen über, dann zur Handpumpe. Nach dem dritten Zehn-Liter-Kübel öffnete der mittlerweile leicht genervte Bilgen-Marathon-Pumper Bodenplatte um Bodenplatte – was wiederum mehrere Stunden Zeitaufwand bedeutete, denn die Platten sind perfiderweise mittels ausgeklügeltem Mechanismus fixiert. Erst als die Schrauben brutal aufgebohrt, die Platten mit purer Muskelkraft herausgebrochen waren, erkannte Hardcore-Bohrmeister Christoph das mechanische System hinter der Halterung – und  obendrein die Bedeutung eines weiteren der 187 Schlüssel. Leider wurde nun auch das Ausmaß der Wassermengen, die unser Schiff, das eigentlich nur außen nass sein sollte, in seinem Inneren mit sich herumtrug, sichtbar.

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Gemeinsam haben wir schließlich ungefähr hundert Liter Wasser aus Bilge und Kiel geschöpft, einiges davon dürfte – Geruch Farbe und Konsistenz – seit 1981 da drinnen herumgeschwappt sein, aber immerhin – wir haben nun auch den alleruntersten Teil unseres Schiffes aus nächster Nähe kennengelernt. Ganz unter uns: es gibt schönere Plätze in Maha Nanda. Was mich zum Tisch zurückbringt. Nachdem alles akribisch trockengewischt, die Bodenplatten aufgelegt und der Tisch verschraubt war – also zehn Stunden später – sind wir noch zum Löbl shoppen gegangen. (Wer den Löbl nicht kennt, muss jetzt meinen Blogeintrag „Warum bist du so kalt, Friesland?“ lesen). Dann gings ab zum Lebensmitteldiscounter und im Eiltempo ab in die Kombüse. Denn aufs Essen haben wir vor lauter Schöpfen vergessen.

Also, ein besonders schöner Platz in unsere Jacht ist – im Gegensatz zur Bilge – unser Salon. Der Tisch ist angeschraubt, die Bänke sind neu bezogen, das Holz frisch getrichen. Sehr wohnlich. Das Abendessen ist in dieser Umgebung ein Genuss.

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Heute gehen wir es ewas entspannter an, ist ja Wochenende. Christoph will nur schnell die Lüfter montieren…

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