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Wenn eine Flottille in den Hafen einrauscht und Anstalten macht, anzulegen, ist das großes Hafenkino. Nicht nur, weil auf einmal so viel los ist, wenn acht Jachten gleichzeitig  Manöver fahren, sondern weil du dir auch ziemlich sicher sein kannst, dass da einiges schiefgehen wird.

Nein, ich lache nicht über Anfänger, denn wir haben uns alle mal mit den ersten Manövern geplagt und perfekt sind wir noch lange nicht, werden wir auch nie sein. Aber man darf ja auch über sich selbst lachen und tatsächlich sind wir vor Jahren mit einer Flottille unterwegs gewesen. Aus Sicherheitsgründen, denn wir hatten viel zu wenig Erfahrung, um allein ein Schiff zu chartern. Also mitsegeln. Wir – also Ehepaar Potmesil mit zwei Teenagersöhnen – gingen an Bord der Vela, einer Bavaria 36, gesteuert vom Skipperehepaar Corina und Walter, Oberbefehlshaber über weitere sieben Jachten.

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Wir waren alle ziemliche Greenhorns, und hatten trotzdem so viel Spaß an dem Törn. Gut, dass unsere beiden Skipper uns sagten, wo’s langgeht, wir wären wahrscheinlich an irgendeiner Insel gestrandet oder über ein Riff geschrammt, aber so… konnten wir uns eigentlich zurücklehnen und den Törn in Kroatien von Zadar Richtung Süden bis Sibenik genießen. Obwohl, wir haben natürlich alle vier tatkräftig bei den Manövern mitgeholfen, denn wir wollten unser kleines bisschen Segeltheorie in die Praxis umsetzen. Also hieß es für unseren Nachwuchs – die Fast-schon-Männer – ran an die Winsch und kurbeln, Segel setzen und Ankerwinsch bedienen. Matthias 15 Jahre, unerschrockener Sportler, zeigte eines Abends sogar vollen Körpereinsatz.

Hafenkino-Blockbuster

Vom Hafen aus war das Spektakel garantiert in die Kategorie Blockbuster einzureihen. Böiger Wind, über 30 Knoten, acht Jachten tanzten in den kurzen ungemütlichen Wellen, sieben Skipper versuchten, die Anweisungen von Captain Walter, die dieser in oder auch gegen den Wind brüllte, zu verstehen und ihnen nachzukommen. Die Challenge: Anlegen im Bojenfeld. Familie Potmesil hatte es recht gemütlich, Skipper Walter hatte den Fall rasch erledigt, wie der Profi halt so anlegt. Alle anderen Freizeitkapitäne kämpften gegen die Elemente. Was für erfahrene Segler unter „Hab gar nicht bemerkt, wie das Wetter war“ fällt, war für uns schon eine, sagen wir spannende Erfahrung. Aus heutiger Sicht es es mir völlig unerklärlich, aber damals wunderte ich mich nicht: Alle sieben versuchten, vom Bug aus die Bojen zu erwischen. Das Prozedere sah also folgendermaßen aus: Der Skipper visiert die Boje an und steuert beherzt auf sie zu, am Bug steht die Ehefrau, bewaffnet mit Boothaken, wild gestikulierend, versucht mit rudernden Armbewegungen den etwas verkrampft steuernden Ehemann abwechselnd steuerbord und backbord zu lenken, kurz gesagt, auf Kurs Richtung Boje zu bringen. Skipper und Crew schreien einander wechselweise in beziehungsweise gegen den Wind an, der eine versteht die andere nicht und vice versa. Etliche Male versucht die Ehefrau vergeblich, aus zwei Metern Höhe vom tanzenden Bug aus die nicht minder tanzende Boje mit dem Haken zu erwischen, um die Leine durch den Ring zu führen – vergeblich.

Ehe-Crews nahe am Meutern

Schlussendlich standen sieben Ehefrauen ohne oder mit halbem Bootshaken auf sieben Bugen. Die Teile waren erfolgreich im Meer versenkt, die Kapitäne raufte sich die Haare, die Eheweiber kreischten ihre nicht des exakten Steuerns mächtigen Ehe-Kapitäne an. Ein Bild des nautischen Jammers.

Nun trat Matthias der Unerschrockene auf den Plan, köpfelte in die kochende See (kleine Übertreibung aus dramaturgischen Gründen), schnappte die Bugleinen der sieben langsam abtreibenden, mit zwischenzeitlich disharmonischen Crews bestückten Schiffe und befestigte sie an den Bojen. Es ist mir bis heute schleierhaft, warum niemand den Rückwärtsgang eingelegt hatte, mit dem Heck voraus zur Boje gefahren war und sich diese von der Badeplattform auf Wasserlinie ganz entspannt geschnappt hatte.

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Letztendlich haben wir bei diesem Törn alle vier viel gelernt und viel gemeinsam mit Corina und Walter gelacht. Auch wenn Walter nicht immer zum Lachen zumute war. Legen wir es in der Kategorie Kommunikationsprobleme ab, wenn der Skipper die Anweisung gibt: „Festmacherleinen lösen“, Crewmitglied Christoph in Windeseile dem Kommando nachkommt, beide Leinen löst und Skipper Walter fast ins Wasser fällt. Der hatte nämlich der Crew nebenan ebendieses Kommando erteilt. Klarerweise, denn zu diesem Zeitpunkt befand er selbst sich noch gar nicht an Bord seines eigenen Schiffes. Zum Glück stoppte Walter noch im letzten Moment seinen Schritt, bevor er lässig von der Hafenmole auf seine Jacht stieg. Denn die war da längst mehr als einen großen Schritt von der Kaimauer entfernt… Wie gesagt, gelacht hat Walter nicht.

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Übrigens: Walter und Corina sind nach wie vor in der Sommersaison in Kroatien unterwegs. Wer mal mit einer Flottille segeln will, sollte die beiden kontaktieren. Supernette unkomplizierte Leute – und du kannst echt viel von den beiden lernen. Wenn du nicht gerade versuchst, ohne Captain abzulegen, wirst du dich garantiert gut mit den beiden verstehen. www.mitsegelgelegenheit.jimdo.com

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