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Wir sind richtige Landratten – eigentlich. Österreicher, küstenlos, meerlos, sogar der nächste See, der Neusiedlersee, ist eineinhalb Autostunden entfernt. Trotzdem wollen wir Seebären werden. Seebärin gibt’s das eigentlich?

Wir haben eine Jacht in Friesland, zehn Jahre Urlaubs-Segelerfahrung, die unbändige Lust zu reisen, fremde Länder und Menschen kennenzulernen und wir haben ein Ziel: Im Mai 2019 starten wir. Für ein Jahr wollen wir unter Segeln reisen, wollen von Friesland Richtung Südwesten, entlang des europäischen Festlands, zu den Kapverden und dann – wenn wir es tatsächlich wagen – über den Atlantik bis in die Karibik segeln.

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Das ist unser Plan, im Groben sozusagen. Am Feinschliff arbeiten wir. Wir, das sind Christoph, mein Ehemann und Captain, und ich, Ulli, Ehefrau und Deck-Hand. Und natürlich unsere Jacht, Maha Nanda. Nicht ganz so alt wie wir, aber schon ziemlich alt, dafür wesentlich schwerer, so zirka acht Tonnen schwer. Jetzt gerade steht sie in Lemmer, in der Werft des Jachthaven Friese Hoek. Für eine alte Dame schaut sie eigentlich recht gut aus; überhaupt außen, denn sie hat ein Peeling in Form von Sandstrahlung bekommen, die paar nicht nennenswerten Rostlöcher wurden gestopft und den ersten neuen Farbanstrich hat das Unterwasserschiff auch schon erhalten. An der Optik von Plicht, Salon und Co. muss noch gearbeitet werden. Was heißt muss noch? Es wird gerade gearbeitet. Christoph, mein Mann für alle Fälle, im normalen Leben Röntgentechniker in Wien – aber was ist schon normal, betätigt sich gerade als Schiffszimmermann, begleitet von seinem Schwiegervater, meinem Papa, dem wahren Meister. Der ist nämlich Tischlermeister, pensionierten Tischlermeister genauer gesagt, das darf man auch mit 80 Jahren schon sein. Derzeit betätigt er sich aber gerade mit seinem Schwiegersohn, wie schon gesagt, auf neuen meisterlichen Ebenen. Die beiden machen Maha Nanda zur schönsten Jacht von Friese Hoek – sagen sie zumindest und dann leuchten ihre Augen.

Segel-Greenhorn

Ich geb es am besten gleich jetzt zu: Ich muss noch viel übers Segeln lernen. Denn die Theorie habe ich bisher meinem Captain überlassen – und der kann sich richtig reintigern, wenn es um Segeltheorielernen geht. Learning by doing ist meine Devise, lernen ist ja nicht mein Problem, aber ich hab ein kleines Problem mit Prüfungssituationen. Okay ein großes. Deswegen bin ich fast allen österreichischen Segelscheinen, den wichtigen Segelschulbesitzern, – lehrern und noch viel wichtigeren Segelprüfern großräumig ausgewichen. Captain Christoph hat ein paar Scheine und dafür einiges über sich ergehen lassen; und er bekommt heute noch Schweißausbrüche und Panikattacken, wenn er den Namen des Segelschulbesitzers, dessen Name hier nicht genannt werden soll, hört. Aber dazu später.

Was Maha Nanda noch fehlt

Was ich sagen will: Bis wir in See stechen, steht uns noch einiges an Lernen bevor, aber sogar mir österreichischen Landratte mit einem kleinen Ansatz an Seebeinen ist klar: Mit Schönheit allein schaffen wir es nicht über den Atlantik. Ich spreche übrigens nicht von unserem blendenden Erscheinungsbild (zusammen sind Captain und Deck-Hand bald genau 100 Jahre alt, aber Schönheit ist relativ), ich spreche natürlich von Maha Nanda. Spätestens bis Mai 2019 braucht sie ein paar essentielle Dinge wie eine Ankerwinsch und Leinen. Immerhin, Mast und Segelgarderobe hat sie ja schon…

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Wir wollen in einem Jahr die Leinen werfen, in einem Jahr für ein Jahr unser Leben auf den Kopf stellen. Bis dahin werden wir noch Tausend Handgriffe tun, To-Do-Listen schreiben, abarbeiten und neue Listen schreiben. Wir werden ganz viele Zweifel haben und hoffentlich noch viel mehr Optimismus. Für erfahren Langfahrten-Segler mögen unsere Pläne lächerlich klingen. Ein bisschen Atlantik ist doch gar nichts. Viele Menschen in unserer Umgebung bezeichnen unsere Idee dagegen als verrückt. Ja, wir sind eben ein Landratten-Land. Sie schütteln den Kopf, verdrehen die Augen (wahrscheinlich zeigen sie uns hinter unserem Rücken den Vogel). Aber für Christoph und mich – und für unsere Familie die uns bestärkt und uns unterstützt, allen voran unsere wunderbaren Söhne – startet 2019 ein besonderer Abschnitt unseres Lebens.

Wer weiß, was uns alles erwartet

Wer uns am Weg dahin und ab nächstem Jahr am Weg in die Karibik begleiten mag, ist herzlich willkommen, meinen Blog zu lesen. Ich freue mich auch über Kommentare und Fragen. Obwohl: Viele Fragen, die ich mir selbst stelle, kann ich im Moment noch gar nicht beantworten. Aber mit der Zeit… Wir werden in den kommenden zwei Jahren noch viel lernen.

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