Wer braucht den Welttag der Jogginghose oder den Tag der Suppe? Und wenn schon, dann plädiere ich jetzt für den Welttag der Kärntner Kasnudel, denn das ist mein Lieblingsessen. Der 8. November war übrigens der Weltputzfrauentag und nein, der Tag wird nicht gegendert, denn über 90 Prozent der Putzkräfte sind weiblich. Eine Tatsache, die der Feministin in mir Zornesfalten auf die Stirn treibt. Wieso ändert sich die Welt so wahnsinnig langsam? Oder will mir irgendjemand erzählen, Putzen sei Frauensache? Warum?! Genetisch bedingt? Weil Frauen so unwahrscheinlich gut darin sind und Männer mit dem komplexen Thema der Reinigung geistig und/oder handwerklich völlig überfordert sind?

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Es handelt sich eben um Arbeit mit niedrigem Stellenwert, also wird sie von Frauen ausgeführt. Korrelierend mit deren geringem gesellschaftlichen Stellenwert. Jene starken Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind immer noch die Ausnahme. Schauen wir zum Beispiel nach Südamerika, wo Frauen im Vergleich zu Männern von Rechten und Ressourcen ausgeschlossen sind, wo Gewalt gegen Frauen Teil des sexistischen, patriarchalen Gesellschaftssystems ist, wo der deutlich größere Anteil der von Armut Betroffenen weiblich ist. Eine weibliche Präsidentin mag ein sichtbares Zeichen von Veränderung sein, aber bloß ein Zeichen ist für die Masse der Unterdrückten eben zu wenig.

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In vielen asiatischen Ländern ist es um die Alltagssituation der Frau nicht besser bestellt. Zwar haben Frauen heute besseren Zugang zu Bildung als noch vor einigen Jahrzehnten, die Zahl jener mit Universitätsabschlüssen steigt, in Malaysia oder China ist die Hälfte aller Uni-Absolventen weiblich, in der Arbeitsrealität kommen diese Zahlen aber nicht an. Immer noch bekommen Männer die besseren Jobs: die höher dotierten und die mit mehr Einfluss und Macht.

Indische Frauen werden von Geburt an darauf eingeschworen, mit einem Makel geboren zu sein: sie sind weiblich. Ein menschlicher Makel, den Männer schamlos ausnutzen, Gewalt in der Ehe ist nicht die Ausnahme, Abtreibung von weiblichen Föten offiziell verboten und trotzdem weit verbreitet. Was bringt eine Tochter außer Sorgen und hohen Kosten, wenn sie einmal verheiratet werden soll?

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Weiter geht es auf der Welt-Frauenreise zu ultraorthodoxen islamischen Staaten wie Saudia Arabien, wo es Frauen bis vor kurzem verboten war, Auto zu fahren, wo Männer Verfügungsrecht über ihre Ehefrauen haben und bestimmen, wohin sie gehen, ob und wo sie arbeiten und wie sie sich zu kleiden haben.

Ja, ich habe Glück, in Europa geboren zu sein, aber zufrieden sind wir Frauen noch lange nicht! Ein Drittel von uns hat in ihrem Leben psychische oder sexuelle Gewalt erfahren, wir sind in der Politik geringer vertreten, ebenso in den höheren Führungsebenen, wir verdienen weniger und – wir sind es, die im Haushalt putzen. So, da sind wir wieder am Beginn meines Beitrags. Ich habe noch nicht herausgefunden,  woran es liegt, aber: Ich habe einen Universitätsabschluss, einen 50-Stunden-Job und einen grundsätzlich vernünftigen, modernen, liebevollen Ehemann. Wer glaubt ihr, putzt unser Haus? Wer rennt mehrmals in der Woche in den Supermarkt, steht ewig lang an der Kasse und schleppt die Einkäufe heim? Wer kocht und macht die Wäsche? Irgendwas ist in der Evolution falsch gelaufen, damals, als die Männer mit den Speeren die Höhle verlassen haben und ihre Frauen den ganzen Tag drin blieben und – putzten…

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