Portuguese Style: bunt und schwarz muss es sein

Meine Style-Challenge des Monats war eine kurze aber ernsthaft Überlegung wert: Wie sieht typisch portugiesische Mode aus? Nach vier Wochen, während der wir von Portugals äußerstem Norden die gesamte Küste entlang bis zur Algarve gesegelt sind und etliche Dörfer und Städte besucht haben, weiß ich zumindest, was typisch touristisch ist.

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Portugal-Touristen kaufen am liebsten:

  1. Hüte, Taschen und Accessoires aus Kork (Wie wir mit Korkhüten auf unseren Häuptern aussehen, will sicher niemand wissen – wir ließen es bleiben)
  2. Blumengemusterte Schultertücher mit Fransen (Erinnern in bisschen an russische Schultertücher der Babuschkas und sind definitiv nicht nach meinem Geschmack)
  3. Pseudoindische Hippie-Fummel (Niemals wird mich irgendjemand in einer Faxelmaxel-Hose, die aus 375 bunten Flicken besteht, zu sehen bekommen. Niemals!)

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Soweit also zu dieser kleinen Auswahl an Schrecklichkeiten, die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen, denn es scheint ein universelles Phänomen zu sein, Urlaubern – äußerst erfolgreich –  grandios geschmackloses Klumpert anzubieten, das am ersten Tag der Heimkehr zu Hause in eine finstere Schrankecke verräumt und schnell und für immer vergessen wird. Hoffentlich.

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Zwei Elemente sind mir an den Frauen Portugals jedoch aufgefallen. Viel Schwarzes und viel Buntes. Auf der einen Seite dominieren gewagte Musterkombinationen, je nach Region gibt’s wilde Blumenmuster-Mixturen oder auch buntes Karo in allen Varianten gleichzeitig getragen, zum Anderen hat Schwarz Tradition. Portugals Witwen tragen tatsächlich oft noch so, wie es vor langer Zeit in Europa üblich war, für immer Schwarz.

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Schwarze Kleidung war auch lange Zeit Uniform der Studenten. Heute noch zeigt sich diese Tradition in Coimbra beim Fado. In der portugiesischen Universitätsstadt hat sich eine eigene Form des Fado etabliert, er wird hier ausschließlich von männlichen Studenten, die auf der Bühne stets vollständig schwarz gekleidet erscheinen und sich zusätzlich in einen langen schwarzen Umhang hüllen, dargeboten.

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Der schwarze Umhang hatte zudem für Portugals Frauen besondere Bedeutung. Sie hatten bodenlange Capes mit Kapuze, sogenannte Biocos, getragen, wenn sie spätabends heimlich und unerkannt das Haus verlassen wollten. Wie das aber so mit der Freiheit der Frau ist: Ende des 19. Jahrhunderts hatte der damalige Zivilgouverneur von Faro den Bioco verboten. Der Grund: Die Verschleierung würde den Frauen sexuelle Ausschweifungen erleichtern…

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Ein schwarzes Cape mit Kapuze hab ich in keinem von Maha Nandas Schapps gefunden, ebensowenig weite karierte Röcke oder Blumenmuster-Schultertücher. Meine Referenz an Portugals bunte und schwarze Mode muss daher mit dem auskommen, was mein Schapp zu bieten hat: schwarze Leggings und schwarzer Pulli, bunt gemusterter Kimono und – Ha! Meine Lieblingsstillettos durften mit auf Weltreise – weiße High Heels. An den Ohren hängen Flamingos und um den Hals eine 25-Schilling-Münze aus dem Jahr 1970, ein Erbstück meiner Omi.

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Der kreativste Ehemann und Fotograf von allen hat diese gesamte Modepracht in der Altstadt von Lagos an der Algarve in Szene gesetzt und in bewährter Weise keine Mühen gescheut, das Beste aus dem Objekt vor seiner Linse rauszuholen. Ja, er lag mir wieder zu Füßen 😉

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