Was machen Weinviertler in Porto? Weinverkosten natürlich!

Olá Porto, tu és adorável! Wir haben den ersten (nahezu) perfekten Ort erreicht und dazu brauchte es nur dreieinhalb Monate, über 1000 Meilen und zig Häfen. Unsere Reise führt uns beinahe zur Reizüberflutung, nicht zuletzt, da wir so viele wunderbare Orte entdeckt haben, Orte deren Namen wir noch nie gehört hatten und die uns überraschten und verzauberten. Bei jedem zweiten schönen Plätzchen fragt mich der Captain „Und, könntest du dir vorstellen, hier zu leben?“. „Nein“, ist meine kategorische Antwort – zu einsam, zu kalt, zu schroff. So wunderbar zu bereisen das IJsselmeer, Beachy Head und Aber Wrach auch sind, so sehr uns die Landschaft begeistert, die Dörfer und Städte faszinieren, so glücklich wir sind, unbekannte Orte zu entdecken: Leben möchte ich hier nicht. Zu einsam, zu kalt, zu schroff.

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Porto ist perfekt und das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist ein zutiefst persönlicher: Nach über vier Monaten Söhne-Abstinenz haben wir hier unseren Nachwuchs getroffen. Zumindest die Hälfte davon. Gestern haben wir unseren Erstgeborenen in Empfang nehmen dürfen, zwei Wochen wird er mit uns an Bord leben und uns bis Lissabon begleiten. Da hüpft das Mutterherz, wenn der charmanteste aller Söhne an ihrer Seite ist.

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Aber Porto kann natürlich noch mehr. Wenn du am südlichen Douro-Ufer vom Westen kommst, liegt auf einmal ein Panorama vor dir, das beinahe unecht in seiner Vollkommenheit liegt. Porto hat alles, was man fürs Glücklichsein braucht: den Fluss, die hügelige Landschaft, das Zentrum mit Geschichte und eine unglaubliche Lebendigkeit. Zudem sind wir mit dem Überwinden der Galizisch-Portugiesischen Grenze endlich in eine wärmere Klimazone eingetaucht und genießen die Sommersonne.

Apropos Genuss: Was muss man in Porto tun, wenn man gerade nicht segelt? Portwein trinken natürlich. In der Kellerei des Weinguts Churchill – nicht verwandt mit Winston, wie man uns glaubhaft versicherte – gönnten wir uns eine Führung und Verkostung. Im Weinkeller kamen ob des Geruchs heimatliche Gefühle auf, bei der Verkostung stellten wir fest: Mit Weinviertler Weinen ist der Portwein nicht zu vergleichen. Gut, das wussten wir vorher auch, aber Portweintrinken in Porto ist anders als Portweintrinken im Weinviertel.

Viele traditionelle Portweinhäuser in Porto haben englische Namen, denn zwar war die Produktion des Weines immer in portugiesischer Hand – der Portwein darf so genannt werden, wenn er aus der Region des Douro-Tals stammt – der Vertrieb wurde aber großteils von Händlern aus den Abnehmerländern geführt und das war vorwiegend England. Erst später übernahmen die Händler auch die Weinproduktion, am Südufer des Douro, in Vila Nova de Gaia, befindet sich eine Portweinkellerei neben der anderen. Hier lagert der Wein zumindest zwei Jahre in Eichenfässern. Dann verkosten die Winzer die Weine und entscheiden, ob die Jahrgänge für längere Lagerung taugen oder nicht. Gute Jahrgänge werden nach einigen Jahren zu Old Tawny und Spitzenjahrgänge lagern Jahrzehnte in den Fässern, bis sie zu Vintage reifen. „Old Tawny is perfect with bread and cheese, Vintage ist best with… nothing else“, erklärte uns die Winzerin. Denn es heißt, ein Spitzen-Port hat so viele Aroma-Nuancen, dass er am besten solo getrunken werden muss, um den Geschmack nicht zu verfälschen.

Nachdem wir also für abendlichen Genuss gesorgt haben, steht unserer Weiterreise nichts mehr im Wege. Es geht Richtung Süden und wir hoffen auf beständige Winde. Bisher sind die ja ausgeblieben, aber der Captain, der wetterfühligste Ehemann von allen, glaubt immer noch dass irgendwo da draußen der Sommer lauert. (Österreich ausgenommen, weil uns der heimische Sommer ohne Meer nix bringen würde.) Von Galizien bis Porto hatten wir binnen weniger Tage wieder mal diverse Klimazonen überwunden. Baiona an der Grenze zu Portugal erlebten wir sommerlich mit gutem achterlichen Wind, mit Sonnenschein und Badetag (wenn der Atlantik nicht gar so kalt wäre, wärs noch besser….). Der Start von Bayona versprach nur Gutes – ein Fehlglaube. Denn fünf Meilen weiter südlich veränderte sich das Licht, wurde silbrig glänzend, wir tauchten in eine Nebelwand ein – und blieben sechs Stunden in ihr.

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Ja eh normal, wissen wir. Der Seenebel ist in Nordportugal ein typisches August-Phänomen, aber trotzdem hätten wir gern auf diese neue Erfahrung verzichtet. Nicht mal 100 Meter sahen wir voraus, und somit wurde die Fahrt zum Hürdenlauf. Denn ausgerechnet hier in dieser Nebelzone begegneten wir so vielen Fischreusen wie bisher nie zuvor. Beide starrten wir also stundenlang angestrengt voraus ins weiße Nichts, ein monotones Starren, das alle zwei Minuten von misstönendem Tröten unterbrochen wurde. Der Captain betätigte voll Enthusiasmus das Nebelhorn. Oder war es eher die Kraft der Verzweiflung? Zum Glück begegneten wir – wir auch die Wochen davor – keiner Menschenseele und sahen auch sonst nicht viel. Eigentlich nichts. Nur am Plotter sahen wir die nahe portugiesische Küste, wie sie in der Realität aussah, werden wir nie erfahren.

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Vor der Hafeneinfahrt von Viana do Castelo hörten wir auf einmal Stimmen. Der Plotter schien Recht zu haben, wir mussten nahe am Leuchtfeuer des Hafen seins. Allerdings sahen wir immer noch…weißgraue Schleier. Dan plötzlich tauchte aus den Nebelschwaden der grün-rote-Leuchtturm auf, daneben entdeckten wir die schemenhaften Figuren einiger Fischer, dann voraus eine grüne Markierungstonne. Ha, wir waren am richtigen Weg. Und plötzlich war alles klar. Der Nebel wie weggezaubert, als wir uns umblickten, schien er verschwunden zu sein. Voraus lag die Stadt mit einer riesigen Kirche am Hügel, dann sahen wir die Schwenkbrücke vor dem Hafen. So also sieht des portugiesische Festland aus.

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Viana do Castelo ist ein Geheimtipp. Der hübsche kleine Hafen liegt am Fluss LIma und ist von allen Seiten geschützt, über die Fußgängerbrücke geht man nur zehn Minuten ins Zentrum mit verwinkelten Gassen und wunderbarer portugiesischer Architektur. Wir bestaunten etliche Paläste und prächtige Häuser ebenso wie die typischen mit Kacheln verzierten Fassaden. Und wieder einer jener sehenswerten Orte, von denen wir unser Lebtag nicht gehört hatten. Reizüberflutung par excellence.

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