Hach ich bin schon so gespannt: Demnächst erwartet mich ein Backerlebnis der besonderen Art. Ich habe Omnia gekauft. Was, ihr wisst nicht was Omnia ist? Ich wusste es bis heute auch nicht. Es handelt sich dabei um einen Campingbackofen, der aussieht wie ein Kochtopf und über ein Ventilationssystem verfügt, das es ermöglicht, das Teil auf einen Herd zu stellen und darin Kuchen, Aufläufe und Brot zu backen.

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Kindergeburtstagsparty inklusive Ullis Backkunstwerk 😉

Wir haben uns für Omnia entschieden, weil andere Backofenvarianten mit großen Kosten und Umbauten auf unserer Maha Nanda verbunden gewesen wären, denn wir haben ja keinen Gasanschluss an Bord sondern kochen mit einem Spiritusherd. Zwar gibt es auch Spiritusbacköfen aber die kosten so um die Tausend Euro und sind – derzeit nicht verfügbar. Und ehrlich! Tausend Euro nur für’s Backen? Ich denke, wir investieren lieber in eine EPIRB, einen Windgenerator und in einen Plotter, denn ohne diese Teile werden wir sicher nicht starten. Ohne Backofen würde ich mich dagegen sogar über den Atlantik wagen. Vielleicht liegt dieses Wagnis auch daran, dass ich nicht so die begeisterte Köchin bin, eher die begeisterte Esserin. Da wir – also mein Captain und ich – ein Jahr lang nur aufeinander angewiesen sein werden, hebt Zweiteres die Frage nach der Kochbegeisterung auf, zumal der Captain meine hemmungslose Liebe zum Essen nicht teilt. Ergo: Will ich essen, muss ich kochen, eine einfache Schlussfolgerung.

 

Ich bin gerade am Überlegen, ob ich das passende Kochbuch für den kleinen Campingbackofen gleich mitbestellen soll, denn beim Stöbern im world wide web hab‘ ich ziemlich abtörnende Fotos von verbrannten Aufläufen und Kuchen – deprimierende Zeugnisse der gescheiterten Omnia-Backversuche – gesehen und ich möchte so gern jenen Jubelmeldungen von Köchinnen und Köchen glauben, die auf den Behelfsofen schwören und sich ein gastronomisches Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen können.

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Kochen mit Baby – alles ist möglich

Ich habe beschlossen, das Ding einfach mal zu Hause am E-Herd in stabiler Position ohne Schaukelbewegung und Schräglage zu testen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass dich gescheiterte Backversuche klüger werden lassen, sofern du nach dem Misserfolg aufstehst, dein Krönchen zurechtrückst und weiterversuchst. Von jenem Tag, als ich als zehnjähriges, in Küchenangelegenheiten völlig unbedarftes Schulmädchen versucht hatte, Kaffee in einer Thermoskanne mit Kunststoffboden auf dem Herd zu wärmen (Den Gestank von geschmolzenem Plastik roch meine Mama unglücklicherweise noch abends, als sie von der Arbeit kam), bis heute, wo ich problemlos eine Party schmeißen und den Gästen verschiedene Leckereien aus der indischen Küche kredenzen kann, vergingen doch etliche (ungefähr 40) Jahre. Als spätberufene, weil lange Jahre desinteressierte Bäckerin beschloss ich als Studienanfängerin, fernab des Elternhauses in Wien lebend, irgendwann, gemeinsam mit meiner besten Freundin Elke unseren Müttern Muttertagstorten zu backen. Wir schrieben die 80er-Jahre, es waren die Zeiten vor YouTube und seinen Anleitungen für alle überlebensnotwendigen Dinge des täglichen Bedarfs, vom perfekten Kloputzen bis zum Kleiderschrankaufräumen, also holten wir unsere Backinstruktionen aus einem Sacher-Kochbuch der 60er-Jahre. Ich weiß noch, dass eine der Zutaten Maizena hieß und wir im Supermarkt vor den Regalen rätselten, wer oder was wohl Maizena wäre. Etliche Male kehrten wir in das Geschäft zurück, weil wir wichtige Zutaten vergessen oder in Ungeschicklichkeit vernichtet hatten, wir kämpften mit der alten Küchenwaage, die austariert hätte werden sollen – was wir nicht taten, zerstörten die Teigmasse mit kochender (statt zerlassener) Butter und produzierten schließlich einen seltsamen Fladen, den Torte zu nennen einer groben Beleidigung sämtlicher Konditorkunstwerke gleichkäme. Das Ding landete im Mistkübel und im zweiten Versuch mussten beide Omas herhalten und per Telefon ihre oft erprobten Geheimnisse ihrer Backkunst preisgeben.

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Mittlerweile bin ich gar nicht so schlecht im Backen, und in Zeiten der Kindergeburtstagspartys entwickelte ich einen regelrechten Eifer im Gestalten von Hase-Felix- oder Winnie-the-Pooh-Torten. Ich schätze mal, an Bord werd‘ ich eher nicht so viel mit Zuckerguss und Marzipan hantieren, aber mein neues Ziel ist bereits gefasst: ich werde Brotbäckerin. Über meine ersten (Miss-)erfolge werde ich berichten.

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Aber Grillen kann er, der Christoph!

 

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3 Kommentare

  1. Hallo Ulli, da bin ich sehr gespannt. Viele Segler schwören drauf. Es wird in der Blauwasserküche Facebookgruppe auch häufig diskutiert. Kennst du die? Wir haben das nicht, weil wir gar keinen Platz haben. Und ich kann auch gut ohne Backofen leben. Sogar an Land. Schönen Abend und Ahoi
    Cornelia

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